Siemens macht Bahn Angst vor dem Winter

Verspätete Zuglieferung
Siemens macht Bahn Angst vor dem Winter

Siemens hat die Lieferung von 16 Zügen an die Deutsche Bahn verschoben. Der Ausfall trifft die Bahn an ihrer schwächsten Stelle: Die Reserve für den Winter sei ohnehin schon zu gering, bemängeln Verbraucherschützer.
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Düsseldorf„Das ist eine absolute Katastrophe!“, sagt Matthias Oomen, Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn zu Handelsblatt Online. Der Grund für seine Empörung: Siemens liefert 16 von der Deutschen Bahn bestellte ICE-3-Züge nicht. Acht davon sind aber für nächsten Monat bereits fest eingeplant. Den Verbraucherschützern bereitet das in Hinblick auf den nahenden Winter Sorgen.

Bereits vorher hätten elf Züge für einen reibungslosen Ablauf des Verkehrs gefehlt, nun seien es insgesamt 19. Auch Deutsche Bahn-Technikvorstand Volker Kefer bereiten die fehlenden Züge Bauchschmerzen. Durch die neuen Lieferverzögerungen könne die Deutsche Bahn auch in diesem Winter ihre Reserveflotte im Fernverkehr nicht wie geplant aufstocken, sagte Kefer am Donnerstag in Berlin. „Unsere Kunden fühlen sich von Siemens im Stich gelassen“, ergänzte Fernverkehrs-Vorstand Berthold Huber. Er erinnerte daran, dass die Züge bereits im Dezember 2008 bestellt wurden und der Bahn „ursprünglich bereits im letzten Dezember versprochen“ waren. Kefer mahnte „dringend mehr Verlässlichkeit bei der Herstellerindustrie“ an.

„Das ist eine enorme Herausforderung für die Deutsche Bahn“, warnte Pro-Bahn-Sprecher Oomen. Bereits im Oktober hatte der Fahrgastverband im Gespräch mit der „Berliner Zeitung“ vor erneuten Schwierigkeiten in diesem Winter gewarnt. „Dass mal etwas vereist oder ausfällt, ist durchaus normal. Doch noch immer hat die Bahn für solche Fälle kaum Ersatz“, sagte der Pro-Bahn-Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann. Die fehlende Reserveflotte sei das größte Problem im Winterverkehr der Bahn.

Nun komme es vor allem darauf an, wie die Bahn mit den fehlenden Zügen umginge, sagt Oomen. „Sie muss realistische Fahrpläne schreiben, die auch eingehalten werden können und nicht ambitionierte. Das Schlimmste für die Fahrgäste ist Unsicherheit.“

Bereits in den vergangenen Monaten ist vor allem im Fernverkehr die Pünktlichkeit der Deutschen Bahn gesunken. Laut Unternehmensstatistik schafften es im Oktober nur 72,6 Prozent der Züge mit weniger als fünf Minuten Verspätung am Ziel anzukommen. Immerhin 89,7 Prozent schafften es mit unter 15 Minuten Verzögerung.

Wie lange sich die Lieferung der 16 Züge von Siemens hinzieht, ist noch offen. „Wir können keinen aktuellen Zeitplan nennen“, sagte ein Siemens-Sprecher am Donnerstag. Das Unternehmen bedauere die Verzögerung außerordentlich. „Es tut uns sehr, sehr leid“, hieß es.

Die Deutsche Bahn rechnet laut Kefer frühestens in zwei Monaten mit dem Einsatz von acht neuen ICE-Zügen. Siemens müsse die Software für die Zugsteuerung überarbeiten und dann die vorgeschriebenen Nachweise liefern. „Das geht nicht in Tagen oder Wochen“, sagte der Technikvorstand.

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Schadensersatzforderungen an Siemens werden steigen

Kommentare zu "Siemens macht Bahn Angst vor dem Winter"

Alle Kommentare
  • Schon wieder Peter Löscher ?!
    Dieser tolle Manager aus dem schönen Nachbarland war auch schon in leitender Funktion und sehr aktiv dabei als die Hoechst AG kaputt gemacht wurde. Vielleicht sollten wir Hochtechnolgiekonzerne doch lieber von naturwissentschaftlich ausgebildeten Menschen leiten lassen. Leute wie Löscher leben immer nur von der Substanz die andere vorher aufgebaut haben. Jetzt hat er Siemens schon soweit dass die keine Züge mehr bauen können. Wer hat den geholt?

  • He, warum macht eigentlich Die Bahn nicht einfach über'n Winter dicht, wenn die das mit den Zügen eh nicht gebacken bekommt? Mein Eisverkäufer um die Ecke kann das doch auch!

    Obwohl der sicher auch als winterliche Frittenbude vergleichsweise astrein organisiert wäre...

  • Ist die Deutsche Bahn eigentlich gezwungen, bei Siemens zu kaufen?

    Wenn nein, warum tut sie es dann? ... und müßte dann nicht der Vorstand für Züge endlich zurücktreten?

  • Siiiiiiemens... schon wieder Siemens.
    Trambahnen, Offshore-Anbindungen, Züge..., dieser Name wird allmählich zum Synonym für Mist und Schrott made in Germany.

  • Es ist schon lustig, wie Deutschland sich immer wieder als Exporteur von Technologie und Know-How positioniert. Ich war vor 5 Jahren mal in Singapur und vor kurzem wieder: dort enstand in dieser Zeitspanne der Marina-Komplex mit Riesen-Shopping-Centre, U-Bahn, Wolkenkratzer-Hotel, wahrscheinlich sogar unter logistischer Beteiligung deutscher Firmen. Zu Hause bekommen wir es nicht hin, einen Hauptstadtflughafen zu bauen und warten auf ach-so-moderne Züge, deren Klimaanlagen nur bei 0-25 Grad Celsius funktionieren. Und da sage noch jemand, die Deutschen hätten keinen Sinn für Humor.

  • @Wolfsfreund

    Die setzen halt auf solide Technik und werden nicht von Siemens beliefert.

    Deutsche Qualitätsarbeit war einmal!

  • Ich frage mich nur immer wieder, wie die Skandinavier oder Kanadier das auf die Reihe kriegen: Temperaturen bis -40°C ohne das alles ausfällt, während's in Deutschland schon bei a bisserl unter null und etwas Schneetreiben problematisch wird...

  • superluminaler Tunbeleffekt (= Wurmloch)!

  • pronounced: "ICE-nban"

  • Wie sagte Volker Pispers schon vor Jahren?
    "Muß es funktionieren oder darfs von Siemens sein?"

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