Verspätungen
Bahn sucht Weg aus dem Chaos

Seit einem ICE auf der Fahrt nach Köln die Achse gebrochen ist, müssen Bahnen häufiger überprüft werden. Die Folge: Verspätungen. Die Bahn will nun mit den Herstellern aushandeln, wie sich die Situation verbessern lässt. Ihr fehlt ein klares Bekenntnis zur Sicherheit der Züge.

DÜSSELDORF. Die vom Eisenbahn-Bundesamt angeordneten zusätzlichen Sicherheitsprüfungen der Achsen der Hochgeschwindigkeitszüge ICE 3 und der Neigetechnikzüge ICE-T führen zu einer neuen Auseinandersetzung zwischen der Deutschen Bahn und den ICE-Herstellern Siemens und Bombardier. In einer Krisensitzung wollen Industrie und Bahn heute über das weitere Vorgehen verhandeln, erfuhr das Handelsblatt aus Industriekreisen. Bei der Bahn in Berlin heißt es, man vermisse von den Herstellern ein klares Bekenntnis zur Sicherheit der Züge.

Im Sommer war bei einem ICE 3 in Köln bei langsamer Fahrt eine Achse gebrochen. Nachdem im Oktober bei einem ICE-T bei einer Routine-Untersuchung ebenfalls ein Riss entdeckt wurde, ordnete die Behörde Prüfungen alle 30 000 Kilometer an. Die Hersteller hätten bei der Auslieferung erklärt, eine Überprüfung der Achsen der ICE-Züge alle 480 000 Kilometer reiche aus, heißt es bei der Bahn.

Wegen der Kontrollen muss die Bahn ihr Fernverkehrsangebot derzeit erheblich einschränken, weil jeder Zug für 16 zusätzliche Stunden in die Werkstatt muss. Nach Angaben eines Sprechers wurden gestern von 160 ICE-3-Verbindungen nur 105 planmäßig bedient. Züge fallen aus, fahren mit weniger Wagen als normal, oder es werden langsamere Ersatzzüge eingesetzt. Und die Kunden haben mal wieder Grund für massive Beschwerden – über brechend volle Züge und schlechte oder gar falsche Information über Fahrplanänderungen.

In der nächsten Woche seien die zusätzlichen Untersuchungen abgeschlossen, sagte der Bahnsprecher. Bahnchef Hartmut Mehdorn kritisiert in einem Interview in der „Bild“-Zeitung die Zughersteller heftig: Die Bahn erwarte, „dass die Industrie ihr Leistungsversprechen einhält“. Von sich aus prüfe die Bahn schon alle 300 000 Kilometer, hieß es in Bahnkreisen. Die derzeitige Kontrolle alle 30 000 Kilometer sei so, „als ob ein Autofahrer alle sechs Wochen zum TÜV müsste“, sagte Mehdorn. Der Unmut vieler Reisender über die Einschränkungen sei „absolut verständlich“.

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