Verspätungs-Regelung
Bahnkunden dürfen auf höhere Entschädigung hoffen

Die gesetzliche Verankerung von Entschädigungsrechten von Bahnkunden nimmt Gestalt an: Verbraucherschutzminister Horst Seehofer hat angekündigt, die freiwillige Bahn-Regelung zu zugunsten der Reisenden zu erweitern. Auch sollen Nahverkehrsreisende Anspruch auf eine Entschädigung haben.

HB BERLIN. Eine Sprecherin Seehofers sagte am Montag, der Minister wolle bis zum Herbst innerhalb der Bundesregierung einen Gesetzentwurf für mehr Rechte von Bahn-Kunden bei Verspätungen abstimmen. Die Vorschläge würden in eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe eingebracht und mit Justiz- und Verkehrsministerium diskutiert.

Nach Seehofers Vorschlägen sollen Kunden im Fernverkehr bei mehr als 30 Minuten Verspätung ein Fünftel des Ticketpreises in bar zurück bekommen, bei mehr als einer Stunde ein Viertel, bei mehr als zwei Stunden die Hälfte. Im Nahverkehr soll von einer Grenze von acht Euro an dieselbe Regelung gelten. Wenn der Zug mehr als 20 Minuten zu spät ist, muss die Bahn im Nahverkehr Taxikosten bis 30 Euro übernehmen, sofern kein Anschluss erreicht wird. Zeichnet sich ab, dass der Zug eine Stunde zu spät ist, soll das Ticket zurückgegeben werden können.

Bisher haben Reisende bei der Deutschen Bahn im Fernverkehr bei mehr als 60 Minuten über Plan Anspruch auf Erstattung von 20 Prozent in Form eines Gutscheins. Im Nahverkehr läuft ein Pilotprojekt in Schleswig-Holstein. Bei mehr als einer Stunde über Plan gibt es 25 Prozent als Gutschein zurück. Gesetzliche Regelungen gibt es bisher nicht. Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn forderte, Fahrgäste sollten wie alle andere Verbraucher Rücktritts- und Entschädigungsrechte nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) erhalten.

Bahn barmt schon mal vorsorglich

Die Bahn warnte vor wettbewerbsverzerrenden Kostenbelastungen im Vergleich zu den Billigfliegern und dem Auto. Der Konzern plädiere dafür, eine für 2007 erwartete EU-Regelung national zu übernehmen, sagte ein Sprecher. Sie sieht im Kern vor, Kunden 25 Prozent des Ticketpreises bei mehr als einer Stunde Verspätung zurückzuzahlen.

Der größte private Bahn-Konkurrent Veolia Verkehr (früher Connex) bevorzugt freiwillige Regelungen, wie ein Sprecher sagte. Sollte es zu einem Gesetz kommen, müsse es Möglichkeiten beinhalten, die Netz-Tochter der Bahn für von ihr verschuldete Verspätungen in Regress zu nehmen. Horrorszenarien massiv steigender Fahrpreise teile man nicht. In Schleswig-Holstein zahlt die Tochter Nord-Ostsee-Bahn bei über 30 Minuten Verspätung oder Zugausfall die Hälfte des Fahrpreises zurück.

Fahrgastvertreter befürworten die Seehofer-Pläne. „Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung“, sagte Karl-Peter Naumann, Vorsitzender des Verbands Pro Bahn, am Montag. Der Verkehrsclub Deutschland nannte das Vorhaben „lange überfällig“. Es sei zu begrüßen, dass neben dem Fernverkehr auch der Nahverkehr einbezogen werden solle, sagte Bahnexpertin Heidi Tischmann.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%