Versteigerung
Schleckers letzte Schnäppchen

Die Reste von Anton Schleckers Drogeriereich landeten am Mittwoch unter dem Hammer. Viel ist von seinem Imperium nicht geblieben. Ein Besuch bei Schleckers letztem großen Ausverkauf.
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EhingenKeine zwei Kilometer von Anton Schleckers ehemaligem Büro wurden gestern die letzten Überreste seines Drogerie-Imperiums verhökert. Im schwäbischen Herbstniesel stehen die riesigen Hallen des Zentrallagers dort auf der grünen Wiese in Ehingen-Berg. Ruinen eines Drogerie-Reiches, das sich bis Januar diesen Jahres über ganz Europa zog, mit 11.000 Filialen, die alle von hier aus beliefert wurden.

Die Hanseatische Industrie-Consult wurde von Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz beauftragt, alle Gegenstände, die noch verkäuflich waren, zu versteigern. Und so saß Holger Haun auf einem Podium gestapelt aus Europaletten und haute nach jedem der 1.429 Gegenstände aus dem Versteigerungskatalog mit einem winzigen Holzhammer auf den Tisch.

Zum ersten, zweiten und dritten. Gegenstand Nummer eins: „Akku-Aufbruchhammer von Würth, Startgebot 10 Euro. Wer bietet mehr? Nur nicht so scheu“, ruft Haun.

Es ist keine glorreiche Atmosphäre, kein Glanz kein Glamour. Eine kahle Versandhalle, gestapelte Europaletten, die Tore für die Lastwagen, durchnummeriert von eins bis 30. An der Decke die alten Schilder: Le Muy, Pöchlarn, La Almunia, Portguaro, Sisante. Die Namen der anderen Lagerhallen von Schlecker. Hier wurden die Waren verpackt, von hier wurden sie hinaus geschickt in Schleckers Reich aus Seife und Waschpulver.

Alles was davon geblieben ist: die Größe. Riesige Hallen, von außen grau, von innen grau. Neonlicht, so wie in den Läden und den Büros der Firmenzentrale. Schleckers Devise, Schleckers Geiz, auch in den Hallen mit der Kieselfassade hat er sich niedergeschlagen.

Man kann es sich vorstellen, wie hier einmal alles überquoll mit Shampoo und Klopapier, Malheften und Heftpflastern. Und es erschreckt umso mehr, wenn man jetzt die leeren Hochregalreihen sieht, mindestens zehn Meter hoch, bis knapp unter die Decke, die Fahrlinien für die Gabelstapler auf dem Boden. Nunmehr bedeutungslose Striche, stille Zeugen einer Zeit, als Schlecker groß war, der größte in Europa im Drogeriehandel.

„Kommen wir zu Gegenstand 297. Ein Hand-Winkelschleifer von Metabo für 20 Euro. 30 Euro. 40 Euro. 50 Euro hier vorne. Da hinten sind 60. Zum ersten, zweiten und dritten. An die Nummer 52“, ruft Haun durch die Halle. Die neue Besitzerin freut sich mit der kleinen Runde, in der sie steht. Sie hat es ersteigert, das höchste Gebot. „Das ist alles so aufregend“, prustet sie. Viele der Menschen, die heute die Reste einer großen Unternehmergeschichte aufsammeln, sind Privatmenschen, die eine billige Bohrmaschine abstauben wollen.

Kommentare zu " Versteigerung: Schleckers letzte Schnäppchen "

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  • "Schnäppchenjäger aus der ganzen Republik sind angereist"

    Da ist das deutsche Volk wieder ganz aktiv. Um ein paar Cent beim Klopapier zu sparen werden keine Kosten und Mühen gescheut. Wenn Milliardensteuergelder bei der sogenannten "Euro-Rettung" zum Fenster hinausgeworfen werden, kommt hingegen keiner aus seinem Sessel raus. Armes Land!

    Übrigens: Bei interessanteren Artikeln wie "Deutschland beliefert Israel massiv mit Waffen" kann mal wieder nicht kommentieren. So sieht Meinungsfreiheit beim HB aus. Wohl Angst vor Israel-kritischen Kommentaren...Aber kein spezieller Vorwurf an das HB, da sind sie ja in line mit den gleichgeschalteten Mainstream-Medien.

    Wahrscheinlich haben wir Israel die Waffen sogar mal wieder geschenkt (wie z.B. die U-Boote, die mit Atomwaffen bestückt werden können bzw. bereits sind!!). Soviel zum Thema, dass Deutschland eine neutrale Vermittlerrolle im Nahostkonflikt einnimmt. Die Palastinenser bekommen ein paar Schulen und Brunnen spendiert, die anschließend sowieso wieder mit unseren eigenen Waffen zerbombt werden. Und dann wundert man sich auch noch wenn man zur Zielscheibe von islamistischen Terroristen wird. Auch hier brauchen wir endlich einen Regime-Wechsel!

  • Jetzt muss ich doch mal gegen den allgemeinen Tenor posaunen. Letztendlich hat Herr Schlecker über Jahrzehnte vielend Tausend Mitmenschen, die sicherlich mehrheitlich keine optimale Ausbildung hatten, einen Arbeitsplatz gegeben. Auch wenn die Löhne sicherlich nicht noch waren, so war die Bezahlung wohl besser als so manche Niedriglöhne heute. Und es war ja wohl keine Zwangsarbeit, jeder konnte sich frei entscheiden ob er bei Schlecker arbeiten möchte.
    Ich finde es nicht nur für die Mitarbeiter sondern auch für die Familie Schlecker tragisch, dass sie die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben, eventuell beratungsresistent waren oder auch die falschen Berater hatten.
    Einem Unternehmer, der jahrzehntelang tausenden Mitarbeitern sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geboten hat und viel Millionen (evtl. auch Milliarden, ich kenne die Steuererklärungen der Schelckergruppe nicht) Steuern erwirtschaftet hat, nach seinem Scheitern mit Häme und Spott zu überhäufen finde ich auf alle Fälle erbärmlich. Da sollten sich doch alle Publizisten und Journalisten erstmal fragen, wieviele Arbeitsplätze sie selber geschaffen haben.

  • Und was dieser sogenannte Insolvenzverwalter da hingelegt hat, das mag ihn für mehr nutto vom bretto empfehlen.

    Eine Empfehlung für seine Leistung kann das nicht sein.

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