Versuch von RWE Umwelt legt Verzicht auf Mülltrennung nahe – DSD gerät weiter unter Druck
Gelbe Tonne des Dualen Systems steht auf der Kippe

Das Duale System Deutschland (DSD) muss gleich an mehreren Fronten kämpfen: Zusätzlich zum Ärger mit dem Kartellamt steht nun auch das komplette Geschäftsmodell des DSD unter Beschuss.

DÜSSELDORF. Ein neuer Versuch der RWE Umwelt AG, dessen Ergebnisse dem Handelsblatt vorliegen, legt einen Verzicht auf die getrennte Sammlung von Verpackungsabfällen in der Gelben Tonne nahe. Moderne Sortieranlagen könnten inzwischen deutlich effizienter arbeiten als das DSD-Sammelsystem.

Das DSD, das den Versuch mitfinanziert hat, hält die Ergebnisse bislang unter Verschluss. Aus verständlichem Grund: „Damit würde das bisherige Geschäftsmodell des Grünen Punkts ins Wanken geraten“, sagt ein Kenner der Studie. Denn würde der Abfall mit dem Grünen Punkt von den Verbrauchern wieder in die graue Tonne befördert, käme es zu einem Kompetenzgerangel mit den Kommunen. Die nämlich sind verantwortlich für den Abtransport des Restmülls. Wer von den beiden bei einer gemeinsamen Tonne dann den Entsorger beauftragt und bezahlt, stünde in den Sternen.

Bereits vor einem Jahr hatte RWE Umwelt in einem ersten, kleineren Versuch nachgewiesen, dass sich mit modernen Sortieranlagen einzelne Wertstoffe aus dem normalen Hausmüll trennen lassen. Der aktuelle Testlauf wurde sowohl vom DSD als auch vom Umweltbundesamt überwacht, steht auf einer breiteren Basis und kommt zu noch eindrucksvolleren Ergebnissen. Der größte Abfallentsorger Deutschlands ließ auf seiner Essener Sortieranlage probeweise den Müll aus dem 445 000 Einwohner zählenden Rhein-Kreis Neuss automatisch trennen. Nicht nur den Inhalt der gelben Säcke und Tonnen warf RWE Umwelt auf seine Förderbänder, sondern mischte die leeren Jogurtbecher, Getränkekartons und Konservendosen zuvor gründlich mit den Abfällen aus der grauen Tonne.

Das Ergebnis ist eindeutig: Im Restmüll fanden die Essener nahezu genau so viel gebrauchte Verpackungen wie in den DSD-Tonnen und -Säcken. Aus dem gemischten Haushaltsabfall beförderte die Anlage im Vergleich zur reinen Verpackungsmüll-Sortierung fast das Fünffache an wiederverwertbarem Material heraus – bei nahezu identischem Reinheitswert der Sekundärrohstoffe. Die vorgeschriebenen Quoten der Verpackungsverordnung übertraf der Test bei weitem.

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