Vertrag sieht hohe Kosten bei Entlassungen vor
Karstadt wälzt die Verantwortung ab

Beim Kauf der 74 kleineren „Karstadt-Kompakt“-Warenhäuser gehen die Erwerber ein hohes Personalrisiko ein. Das erfuhr das Handelsblatt aus an den Verhandlungen beteiligten Kreisen.

cs DÜSSELDORF. Der britische Finanzinvestor Dawnay Day, der gemeinsam mit dem Sanierungsspezialisten Hilco den gesamten Betrieb übernimmt, wird zunächst die Zahl von 4900 Mitarbeiter kaum nach unten senken können. Schuld daran ist eine Vereinbarung der Karstadt Warenhaus AG mit den Mitarbeitern, die zum 1. Januar 2005 in die ausgegliederte Firma „Karstadt Kompakt“ wechselten. Auf Druck der Betriebsräte hatte der Konzern eine Klausel unterschrieben, nach der ein möglicher Käufer von „Karstadt Kompakt“ im Falle von Massenentlassungen sofort einen Sozialplan vorzulegen hat. Üblicherweise ist ein Firmenkäufer in den ersten vier Jahren nach der Übernahme von dieser Verpflichtung freigestellt.

Mit dem Verkauf von „Karstadt Kompakt“ entledigt sich Karstadt-Quelle, so jedenfalls heißt es in Betriebsratskreisen, sämtlicher arbeitsrechtlicher Verpflichtungen. Geschickt trennte der Essener Konzern die zum Verkauf bestimmten Häuser bereits zum Jahreswechsel in einer eigens geschaffenen Gesellschaft ab und unterschrieb mit dem Betriebsrat eine Überleitungsvereinbarung. Bei einem solchen „Asset Deal“, der die Übertragung einzelner Vermögensgegenstände umfasst, besitzen die Arbeitnehmer das Recht, ihrem Arbeitsplatzwechsel in die neue Firma innerhalb eines Monats zu widersprechen.

Beim vorgestern verkündeten Verkauf hatten sie dagegen ein solches Widerspruchsrecht nicht, denn Karstadt überträgt an Dawnay Day und Hilco keineswegs einzelne Vermögensgegenstände, sondern die kompletten Geschäftsanteile. „Bei einem solchen Share Deal gelten die Arbeitsverträge einfach weiter“, sagt Arbeitsrechtsexperte Holger Meyer von der Hamburger Anwaltskanzlei White & Case.

Selbst im Fall der Insolvenz von „Karstadt Kompakt“ bliebe Karstadt-Quelle nach Abschluss des Verkaufs ungeschoren. „Bei dieser Konstruktion müsste Karstadt-Quelle im Regelfall für seine ehemaligen Mitarbeiter nicht mehr haften“, sagt Meyer.

Vertragspatzer wie bei der einstigen Kooperation mit Starbucks, die auf das Konto von Ex-Chef Wolfgang Urban gingen, gehören nun offenbar der Vergangenheit an. Eingefädelt hatte die Vereinbarungen mit den Arbeitnehmern der selten im Rampenlicht erscheinende Personalvorstand Matthias Bellmann, der im November zu Karstadt kam.

Die zwischen Karstadt und den „Kompakt“-Mitarbeitern getroffenen Vereinbarungen dürften die neuen Warenhaus-Besitzer in ihrem unternehmerischen Handeln einschränken. Für Dawnay Day und Hilco ist dies ein deutliches Handicap, schließlich haben sie die Markenrechte an „Karstadt City“ nur bis Mitte 2007 erworben, danach müssen sie für die erworbenen Häuser eine neue Vertriebsform suchen.

An den Verhandlungen beteiligte Manager gehen davon aus, dass der auf Immobilien spezialisierte Investor Dawnay Day nur ein begrenztes Interesse hat, die Stammbelegschaft von „Karstadt Kompakt“ komplett zu behalten. „Weil die Citys inzwischen besetzt sind, suchen Filialisten wie H&M oder Zara auch in kleineren Städten nach geeigneten Standorten“, sagt ein Verhandlungsinsider. „Hier erhofft sich Dawnay Day Vermarktungschancen.“ Die Geschäftsführer von Dawnay Day und Hilco wollten sich in London zu den Vereinbarungen auf Anfrage nicht äußern.

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