Vertragsverlängerung des zuständigen Bahn-Vorstandes steht auf der Kippe
Streit um Sparpläne beim Güterverkehr

In der Aufsichtsratssitzung der Deutschen Bahn am Dienstag in Berlin bahnt sich eine Kraftprobe zwischen Vorstand und Aufsichtsrat an. Anlass ist die mittelfristige Finanzplanung des Konzerns für die nächsten Jahre, die am Dienstag verabschiedet werden soll.

huh/ek BERLIN/DÜSSELDORF. Umstritten sei vor allem das Sanierungskonzept für die angeschlagene Güterverkehrstochter Railion AG, erfuhr das Handelsblatt aus Aufsichtsratskreisen. Die Zukunft von Güterverkehrs-Vorstand Bernd Malmström sei deshalb ungewiss.

Malmströms Vertrag sollte auf der Sitzung bis Ende 2006 verlängert werden. Die Verlängerung stehe angesichts von Konflikten um den künftigen Kurs der Güterverkehrssparte auf der Kippe oder könne verschoben werden, hieß es aus dem Aufsichtsrat und aus dem Bahn-Konzern.

Weil Malmström in den nächsten Jahren konsequent alle unwirtschaftlichen Güterverkehrsdienste auf der Schiene einstellen will, sieht die Bundesregierung das Ziel der Bahnreform, mehr Verkehr auf die Schiene zu holen, in weite Ferne schwinden. So soll das Zugangebot im Güterverkehr 2005 um drei Prozent und in den Folgejahren weiter reduziert werden. Erst 2009 solle wieder die gleiche Verkehrsleistung wie 2004 erreicht werden, hieß es in Aufsichtsratskreisen. Die Investitionen sollen drastisch gekürzt werden. 2003 hatte Railion noch 178 Mill. Euro erwirtschaftet, für dieses Jahr wird aber ein zweistelliges Millionen-Minus erwartet.

Malmström, zugleich Vorstandschef der zum Bahnkonzern gehörenden Transport- und Logistikgruppe Stinnes, habe den Sanierungsplan am vergangenen Freitag in der Stinnes- Aufsichtsratssitzung vorgestellt, hieß es. Der Güterverkehrschef hatte in jüngster Zeit mehrfach darauf hingewiesen, dass die bei Stinnes eingegliederte Railion angesichts des harten Preiskampfes im Transportmarkt „an die Wand gefahren werde“.

Ein Sprecher von Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe sagte, bei der heutigen Sitzung des Aufsichtsrats gebe es zur Güterverkehrsplanung noch Gesprächsbedarf. Der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Uwe Beckmeyer, forderte eine Wachstumsstrategie für die Bahn. Andernfalls könne dem Steuerzahler das große Engagement der öffentlichen Hand nur schwer erklärt werden.

Für den gesamten Bahn-Konzern rechnet der Vorstand 2005 mit einem Betriebsergebnis von 420 Mill. Euro – nach 200 Mill. Euro in diesem Jahr. Bahnchef Hartmut Mehdorn strebt weiterhin an, in den nächsten Jahren den Konzern kapitalmarktfähig zu machen und an die Börse zu führen. Beide Ziele hatte er in diesem Jahr verschieben müssen.

Quelle: Handelsblatt

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