Verweigerung von Staatshilfen
Arcandor droht der Untergang

Aus eigener Kraft wird sich der angeschlagene Arcandor-Konzern, sollte Berlin die Staatshilfen verweigern, kaum noch retten können. Ohne Kreditgarantien, heißt es bei den Konsortialbanken, werde man die am 12. Juni auslaufende Zahlungsfrist nicht verlängern.

DÜSSELDORF. Hatten die Banken bei den schwierigen Kreditverhandlungen im September noch als letzten Ausweg vorgeschlagen, Teile der werthaltigen Touristiktochter Thomas Cook zu verkaufen, ist diese Lösung inzwischen vom Tisch. Gegenüber dem Handelsblatt bestätigte Arcandor-Finanzchef Rüdiger Günther gestern, der Verkauf der wertvollen Touristiktochter würde nicht mehr zur Rettung ausreichen: "Zwar könnten wir durch eine Veräußerung zunächst möglicherweise unsere Bankkredite über 960 Mio. Euro zurückzahlen. Um unser Konsolidierungsprogramm umzusetzen, würden uns aber die weiteren notwendigen finanziellen Mittel fehlen."

Vor wenigen Tagen hatte Arcandor Staatshilfe beantragt und erklärt, ohne Kreditgarantien über 650 Mio. Euro und einen KfW-Kredit über weitere 200 Mio. Euro sei das Unternehmen am 12. Juni zahlungsunfähig. Zahlreiche Politiker - unter ihnen FDP-Chef Guido Westerwelle - hatten daraufhin gefordert, der Essener Konzern solle sich durch den Verkauf von Thomas Cook erst einmal selbst helfen.

Entsprechende Erwartungen hatte das Unternehmen vor einigen Monaten noch selbst geweckt. Damals hatte der inzwischen abgetretene Arcandor-Chef Thomas Middelhoff die 53-prozentige Beteiligung an dem börsennotierten Reiseveranstalter immer wieder als Lebensversicherung bezeichnet.

Ein Blick in Arcandors AG-Bilanz spricht inzwischen aber eine andere Sprache. Dort haben die Essener Thomas Cook mit einem Eigenkapital von 2,4 Mrd. Euro voll konsolidiert. Dem steht laut Günther ein Buchwert von 1,7 Mrd. Euro gegenüber. Mit dem Abgang der Touristiktochter entstünde also eine Lücke von 700 Mio. Euro. Arcandors Eigenkapital von zuletzt 1,2 Mrd. Euro würde damit auf 500 Mio. Euro schrumpfen.

Ohne den Ertragsbringer Thomas Cook wären diese 500 Mio. Euro jedoch bald aufgezehrt. Allein im abgelaufenen Geschäftsjahr häuften die übrigen Konzerntöchter wie Karstadt und Quelle zusammen mit der Holding einen Verlust von 530 Mio. Euro an - dies sogar vor Zinsen und Steuern.

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