Verzögerte Lieferungen, höhere Preise
Amazon erpresst Buchverlage

Amazon steht derzeit in Verhandlungen mit einigen Buchverlagen. Um mehr Geld von ihnen zu bekommen, erpresst der US-Konzern seine Verhandlungspartner offenbar. Der Buchhandel will sich wehren – mit Hilfe des Kartellamts.
  • 5

DüsseldorfDer Onlineversandhändler Amazon setzt Buchverlage massiv unter Druck. Laut eines Berichts der „Frankfurter Rundschau“ (FR) verlängert Amazon gezielt die Lieferfristen für Bücher, obwohl diese eigentlich vorrätig sind. Auch die Preise liegen teilweise höher als üblich. Der US-Versandhändler will die Verlage dadurch offenbar zwingen, seinen Bedingungen bei Verhandlungen zuzustimmen. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels will sich das nicht länger gefallen lassen und prüft eine Kartellbeschwerde, wie eine Sprecherin gegenüber Handelsblatt Online bestätigte.

Grund für die Beschwerde ist, dass Amazon mit einem solchen Verhalten seine Marktmacht ausnutzen würde. Die Situation werde für die Verlage immer heftiger, so die Sprecherin des Börsenvereins gegenüber Handelsblatt Online. Doch das sei nur ein Anlass. Derzeit werde eine „Konglomerat“, also eine Mischung aus mehreren Gründen, von den Anwälten untersucht. Amazon wollte sich gegenüber Handelsblatt Online nicht zu den Vorwürfen äußern.

Die „FR“ berichtet, dass Amazon seine Macht sowohl gegenüber der Verlagsgruppe Hachette als auch die schwedische Bonnier-Gruppe, zu der auch Ullstein, Carlsen und Piper gehören, demonstriert. Ullstein-Geschäftsführer Alexander Lorbeer berichtet, dass sich Lieferzeiten für bekannte Titel verzögerten, obwohl der Verlag pünktlich liefere. Das sei kein Zufall: Gegenüber Bonnier bestätigte Amazon, dass der Grund dafür die Verhandlungen mit der Verlagsgruppe seien. Derzeit soll Amazon rund ein Fünftel des Buchmarkts beherrschen, das wäre noch nicht marktbeherrschend. Davon spricht man erst ab einem Drittel.

Anders sieht es auf dem E-Book-Markt aus, auf dem Amazon ebenfalls seine Muskeln spielen lässt. Bisher bekommt der US-Konzern nach Recherchen der „FR“ 30 Prozent des Erlöses. Der Onlinehändler will seinen Anteil aber auf 50 Prozent ausbauen. Die Leidtragenden der Strategie: die Autoren. Für sie würden die neuen Bedingungen 28 Prozent weniger Umsatz bedeuten. Der Börsenverein kritisiert, dass Amazon auf dem E-Book-Markt ohnehin eine „monopolartige Stellung“ einnehme. Genau gegen die will der Verein nun vorgehen – wenn das Kartellrecht es zulässt.

Lisa Hegemann
Lisa Hegemann
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin

Kommentare zu " Verzögerte Lieferungen, höhere Preise: Amazon erpresst Buchverlage"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wettbewerb ist Sünde (competition is a sin).
    J.D. Rockefeller

    Aber das Stimmvieh - pardon, der "MÜNDIGE BÜRGER" - ist natürlich blöd und dank 40 Jahren Zerstörung - pardon: "BILDUNGSREFORM" - inzwischen ungebildet genug nicht zu kapieren, daß der Kapitalismus zum Monopol strebt.
    Für die Plutokraten und ihre Medien ist es damit ein leichtes, ihre Agenda voranzubringen.

  • Klassische Konditionierung ist eine von dem russischen Physiologen Iwan Petrowitsch Pawlow begründete behavioristische Lerntheorie, die besagt, dass einem natürlichen, meist angeborenen, sogenannten unbedingten Reflex durch Lernen ein neuer, bedingter Reflex hinzugefügt werden kann.

  • Aaaah ja. Und munter geht das USA-Bashing weiter. Ermüdend.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%