Veto Kartellamt
Aus Tüv Süd und Rheinland werden Konkurrenten

Nach der am Veto des Kartellamts gescheiterten Fusion von Tüv Süd und Tüv Rheinland zur Tüv Deutschland AG machen sich die Prüfkonzerne nun gegenseitig Konkurrenz. Beide wollen ihr klassisches Geschäft mit Autoprüfungen, das bislang auf ihre Heimatregionen beschränkt war, nun bundesweit ausrollen. Gleichzeitig setzen sie auf internationale Expansion und neue Geschäftsfelder, wie Solarenergie und sogar den Betrieb von Schulen.

DÜSSELDORF. Tüv-Rheinland-Chef Bruno Braun will 2009 trotz Wirtschaftskrise ein Umsatzwachstum vor allem durch organisches Wachstum von über zehn Prozent einfahren. Zudem will er weltweit 750 Stellen schaffen, im Vorjahr waren es 900 mehr. Bereits in den ersten vier Monaten 2009 habe der Tüv Rheinland die Umsatzwerte des Vorjahres um zwölf Prozent übertroffen, sagte Braun.

In Deutschland will Braun in den Sparten Auto- und Industrieprüfung, die über die Hälfte des Umsatzes von 1,1 Mrd. (Vorjahr 985 Mio.) Euro ausmachen, die bundesweite Präsenz verstärken. Weltweit führt der Tüv Rheinland bereits vier Millionen Hauptuntersuchungen jährlich durch, davon die Hälfte in Deutschland. Das stärkste Wachstum erwartet Braun aber im Ausland. Mit einem Umsatzrückgang wegen der Abwrackprämie rechnet er nicht. Stark baut der Tüv das Geschäft mit Solarprüfungen weltweit aus. In drei Wochen wird in Köln eines der modernsten Prüfzentren für Solarenergie-Technik eröffnet. Die höchsten Zuwachsraten erzielt der Tüv Rheinland in der Sparte Bildung. Neu ist der Einstieg in das Schulwesen. In Leipzig eröffnete der Tüv eine Realschule. Im August folgt eine erste private Grundschule in Görlitz.

Tüv-Süd-Chef Axel Stepken sieht nach der geplatzten Fusion Zukäufe im Ausland als einzige Möglichkeit, um den Anschluss an große internationale Prüfkonzerne nicht zu verlieren. Im vergangenen Jahr steigerte der Tüv Süd den Umsatz um 7,4 Prozent auf 1,4 Mrd. Euro. Während der Tüv Rheinland bereits 40 Prozent des Umsatzes im Ausland erzielt, ist es beim Tüv Süd mit Sitz in München erst knapp ein Drittel.

In der Türkei ist Stepken groß ins Autoprüfgeschäft eingestiegen. Vier Millionen Fahrzeuge sollen in diesem Jahr beim Tüv Turk überprüft werden, fast so viele wie in Deutschland mit 4,5 Millionen. Mit der Gründung von Tüv Süd Auto Partner bereitet der Konzern auch die Ausdehnung in das bundesweite Prüfgeschäft vor. Auf den bundesweiten Ausbau des Niederlassungsnetzes setzt Tüv Süd auch im Industriebereich. Vor kurzem wurde im Saarland eine neue Niederlassung eröffnet.

In diesem Jahr stellt sich Stepken wegen der Wirtschaftskrise aber auf ein schwächeres Wachstum ein. Zwar schlage der Rückgang bei der Zahl der Hauptuntersuchungen durch die Abwrackprämie kaum zu Buche. Etliche Industriekunden hätten aber Investitionen in neue Anlagen verschoben. Daher gebe es auch für viele Prüf- und Zertifizierungsdienstleistungen erst einmal keinen Bedarf. Deutlich weniger nachgefragt seien auch Produktprüfungen in China. Stellenabbau sei aber für den Tüv Süd kein Thema. Im Gegenteil: Ende 2008 beschäftigte der Konzern mit weltweit 14 000 Mitarbeitern, 1 000 mehr als im Vorjahr.

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