Viele Einzelfirmen machen Verlust
Arcandor-Chef in Erklärungsnot

Im Vorfeld seiner Hauptversammlung am kommenden Mittwoch überrascht der Essener Arcandor-Konzern mit ungewöhnlicher Transparenz. Erstmals gewährt der bis vor kurzem noch unter Karstadt-Quelle firmierende Konzern Einblick in die Ertragskraft sämtlicher Einzelfirmen – mit zum Teil erstaunlichen Ergebnissen.

DÜSSELDORF. Die Informationen liefere man freiwillig, sagte Investor-Relations-Chef Detlef Neveling gestern. Die 35-seitige Auflistung, die dem Handelsblatt vorliegt, zeigt vor allem: Ohne die Mieterträge und Verkäufe aus dem Immobiliengeschäft wäre der Konzern 2007 tief in die roten Zahlen gerutscht. Im Rumpfgeschäftsjahr (bis Ende September) bescherten die Karstadt-Immobilien den Essenern nach eigenen Angaben ein Jahresergebnis von 675 Mill. Euro. Dank der zahlreichen Verlustbringer blieben dem Gesamtkonzern davon am Ende jedoch nur noch 16 Mill. Euro übrig.

Die Einzelergebnisse der Konzerntöchter zeigen, wie weit Arcandor noch von einem erfolgreichen Abschluss der Sanierung entfernt ist. Die wertvollen Häuser nämlich hat Konzernchef Thomas Middelhoff vor wenigen Tagen komplett an ein Immobilienkonsortium verkauft, um die Konzernkasse zu entlasten. Auf weitere Verkaufserlöse wie in der Vergangenheit muss er deshalb in Zukunft verzichten – ebenso wie auf die bisherigen Mieteinnahmen, die LBBW-Analyst Hans-Peter Kuhlmann auf jährlich 200 Mill. Euro taxiert.

Dass der Konzern durch den Verkaufserlös seine Nettoverschuldung auf nahezu null reduziert, ist dabei nur ein schwacher Trost. Laut Geschäftsbericht zahlte Arcandor im Rumpfgeschäftsjahr 2007 netto gerade einmal 138 Mill. Euro Zinsen.

Die detaillierte Auflistung der Einzelergebnisse zeigt bemerkenswerte Schwachstellen im Konzerngeflecht. Während das Minus von 168 Mill. Euro, das die Warenhäuser hinterließen, wegen des fehlenden Weihnachtsquartals kaum überraschen dürfte, haben andere Konzernteile ihre angepeilten Ziele klar verfehlt. Anders als angekündigt schreiben etwa die Supermärkte in den Warenhäusern hohe Verluste.

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