Viele Gründe für das schwache Saison-Geschäft: Winterschlussverkauf endgültig vor dem Aus

Viele Gründe für das schwache Saison-Geschäft
Winterschlussverkauf endgültig vor dem Aus

Was waren das früher im Winterschlussverkauf (WSV) noch für Zeiten: Alljährlich in den letzten Januar- und ersten Februar-Tagen brach in den sonst so gesitteten deutschen Kaufhäusern ein wenig Chaos aus. Aber seit Rabattgesetz, Zugabeverordnung und jetzt auch die gesetzlichen WSV-Beschränkungen gefallen sind, ist das Gedränge an den Wühltischen Geschichte.

HB BERLIN. Offiziell geht der „erste freiwillige Winterschlussverkauf“ erst an diesem Samstag zu Ende. Aber fest steht schon: Die Erwartungen des leidgeprüften Einzelhandels wurden wieder nicht erfüllt.

„Der Schlussverkauf ist gelaufen“, klagt der Sprecher des größten Handelsverbandes HDE, Hubertus Pellengahr. Auch aus den meisten Regionalverbänden werden enttäuschende Ergebnisse vermeldet. Deshalb ist gut möglich, dass der „erste freiwillige WSV“ zugleich der letzte war. Aber selbst wenn der Schlussverkauf mit seiner fast hundertjährigen Geschichte noch einmal überleben sollte: Nachdem sich jetzt noch einmal drei Viertel aller Geschäfte daran beteiligt hatten, werden es 2006 auf jeden Fall deutlich weniger sein.

An Gründen für das schwache Saison-Geschäft mangelt es nicht. Zum einen steht den meisten Deutschen die Laune immer noch nicht nach Geldausgeben. Dann musste der WSV-Beginn wegen der frühen Karnevalszeit in diesem Jahr um eine Woche vorverlegt werden. Und außerdem war die Wetterlage in der ersten Woche nicht optimal: Ordentlich kalt zwar, was normalerweise den Verkauf von Winterware fördert, aber zu verschneit. In vielen Städten klagten die Einzelhändler über Schnee-Chaos und schlecht geräumte Straßen.

Vor allem aber litt der WSV darunter, dass es inzwischen fast das ganze Jahr über Preisnachlässe gibt. Selbst mit Rabatten von 70 % und mehr gelang es den großen Kaufhäusern nicht, die Konsumfreude richtig zu fördern. „Angesichts der vielen Rabattaktionen haben die Verbraucher den Überblick verloren“, sagt Wolfgang Twardawa von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). „Früher war der WSV ein Ereignis. Heute ist er nichts Besonderes mehr - allenfalls für ältere Kunden noch.“

Auch beim HDE klagen die Experten über die „Rabattitis“. „Das Schwert Rabatt ist stumpf geworden“, sagt Pellengahr. Für die Branche war der schwache Schlussverkauf bereits die zweite schlechte Nachricht in dieser Woche. Erst am Mittwoch hatte das Statistische Bundesamt mitgeteilt, dass das Weihnachtsgeschäft mit einem Minus von 2,3 % im Dezember so schlecht war wie seit zehn Jahren nicht mehr. Die Hoffnung auf eine Trendwende 2005 hat der HDE schon aufgegeben.

Der Verband erwartet aber, dass es weiterhin Sommer- und Winterschlussverkäufe geben wird. Allein schon, weil die Lager geräumt werden müssen und sich die Kunden an die Termine gewöhnt haben. Konsumforscher Twardawa ist sich da nicht so sicher. „Natürlich wird es zum Saisonende Rabattaktionen geben. Aber die Dachmarke WSV wird mittelfristig verschwinden.“ Zudem habe sich bei vielen Kunden der Eindruck verfestigt, dass nach all den Rabatt- Wochen im Schlussverkauf nur noch billiger Ramsch übrig sei.

Einige Kaufhäuser haben die Entwicklung schon vorweg genommen. Beim Handelskonzern KarstadtQuelle ist aus dem WSV in diesem Jahr bereits der KSV geworden, der „Karstadt Schlussverkauf“. Und auch das KaDeWe in Berlin hat sich von der Marke Winterschlussverkauf schon verabschiedet. Im größten deutschen Kaufhaus heißen die Rabattwochen nur noch „Sale“.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%