Vielflieger-Streit
Lufthansa will sich nicht geschlagen geben

Die Fluggesellschaft will im Streit um das Bonusprogramm „Miles & More“ sehr wahrscheinlich Berufung einlegen. Mittlerweile sind weitere Klagen von Vielfliegern bei Gericht eingegangen, die sich benachteiligt fühlen.
  • 8

FrankfurtIm Gerichtsstreit um die Herabstufung von Flugmeilen im Bonusprogramm für Vielflieger will sich die Lufthansa nicht geschlagen geben. „Wir werden sehr wahrscheinlich Berufung einlegen“, sagte ein Sprecher der Airline am Samstag in Frankfurt der Nachrichtenagentur dpa. Die Berufungsfrist laufe in den kommenden Tagen ab. Mitte März hatte die Lufthansa vor dem Kölner Landgericht eine Schlappe im Streit um „Miles & More“ erlitten. Ein Vielflieger hatte die Kranich-Linie verklagt, weil er sich durch die Entwertung von Bonusmeilen und Veränderungen im Prämienkatalog benachteiligt fühlte.

Die Richter urteilten: Die Lufthansa habe die Umstellung zu kurzfristig vollzogen. Das Unternehmen hätte seine veränderten Bedingungen mit einem Vorlauf von vier Monaten ankündigen müssen. Die Lufthansa hatte dies jedoch erst einen Monat zuvor kundgetan. Seit der Änderung ihres Bonusprogramms wird zum Beispiel für einen Hin- und Rückflug in die USA in der Business-Klasse 105.000 statt vorher 90.000 Meilen verlangt. Es gebe aber nicht nur Nachteile sondern auch Vorteile, sagte der Airline-Sprecher.

Mittlerweile seien weitere Klagen wegen des Flugmeilen-Streits bei Gerichten eingegangen. Die Lufthansa begründete die anvisierte Berufung auch damit, Rechtssicherheit haben zu wollen. Denn die Richter hätten in dem Kölner Fall nur im Einzelfall entschieden. „Jeder andere Fall muss neu betrachtet werden“, sagte der Lufthansa-Sprecher.

Unterdessen habe der Kläger im Kölner Prozess, ein IT-Professor, Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Köln gegen Manager der Fluggesellschaft erstattet. Das berichtet das Nachrichten-Magazin „Der Spiegel“. Der Vorwurf lautet gewerbsmäßiger Betrug in 21 Millionen Fällen - so viele „Miles & More“-Kunden gibt es etwa. Die Lufthansa hält die Anzeige laut Sprecher für „absurdes PR-Theater“.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Vielflieger-Streit: Lufthansa will sich nicht geschlagen geben"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Mein Argument ist ein anderes. Natürlich wird der so genannte "geldwerte Vorteil" von der Lufthansa versteuert. Aber genau daher kommt dieser "geldwerte Vorteil" wie das Wort schon sagt, legal versteuert netto bei den Vielfliegern an. Als ein Vorteil, der so etwas wie Geld ist. Und die Kosten trägt die Firma. Es ist ein legaler Kick-Back.

    Laut den AGB M&M dürfen Firmen die Mitarbeiter nicht zur Herausgabe der Meilen verpflichten - dann verfallen sie.

    Also mein Argument ist: die Schreihälse, die den Verfall ihrer Besitzstände als moralisch verwerflich, leider jedoch legal bejammern, tun das gleiche: sie verschaffen sich auf Kosten ihrer Firma einen erheblichen Vorteil und lenken durch geschicktes Buchen geldwerte Dinge in ihres Tasche. Das finde ich Doppelzüngig.

  • Was muss da gerichtlich geklärt werden? Die Lufthansa versteuert die Bonusmeilen nach § 37a EStG - Google hilft.
    Außerdem kann jede Firma selbst entscheiden wie mit dienstlich erworbenen Meilen zu verfahren ist. Aber typisch deutscher Neid gepaart mit Neigung alles regulieren zu müssen.

  • danke dmg! Du ersparst mir einen eigenen langen Beitrag. Genau das ist das Thema, was gerichtlich geklärt gehört. Die Anzugträger erfliegen sich den Urlaub und die Blaukittel aus der Produktion schauen in die Röhre. Ich trage übrigens Anzug und bin Vielflieger -womit dies kein "Neidbeitrag" ist. Obwohl ich von diesen Gegebenheiten profitiere(n) (könnte) empfinde ich es als bodenlose Ungerechtigkeit.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%