Vom Laufband zur Jobsuche
Fitnessketten boomen in den USA

US-Amerikaner können auf vieles verzichten - doch ihre Mitgliedschaft im Fitnessclub wollen sie behalten. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor. Warum die körperliche Ertüchtigung in der Krise an Bedeutung gewinnt.

Bloomberg NEW YORK. Mein Haus, mein Auto, mein Boot", hieß es einst in einem Werbeslogan, der den klassischen Lebensentwurf der Leistungsgesellschaft auf die Schippe nahm. In der Krise könnte es nun heißen: "Mein Fernseher, mein Handy, mein Fitness-Club" - denn dies sind die drei Dinge, auf die die Amerikaner laut einer Analyse der Investmengesellschaft Piper Jaffray & Co. am wenigsten verzichten wollen.

Konzentrieren wir uns auf die Fitness. Leibesübungen helfen in der Krise, den Stress zu bewältigen. Auch bei Arbeitslosen wie Scott McLin, der bis vor drei Monaten noch als Marketing-Analyst tätig war. Seit McLin seine Stelle verlor, spart er bei Restaurantbesuchen und Bekleidungskäufen. Ins Fitness-Studio geht er dennoch fast jeden Tag. "Jetzt habe ich Zeit, da kann ich mich ein wenig in Form bringen", sagt der 25-Jährige. Für die Mitgliedschaft im Fitness-Studio "Crunch" zahlt er 86 Dollar (65 Euro) pro Monat. Der Markt für Fitness-Center wird dieses Jahr um 2,2 Prozent wachsen, schätzt Marktforscher Ibis World. "Gesundheit und Wellness sind bei einem wirtschaftlichen Abschwung meist etwas resistenter", erklärt Ibis-Analyst George Van Horn.

Die Studiokette Equinox, die in den USA insgesamt 48 Fitness-Center betreibt, hat mit ihren Angeboten auf die Krise reagiert. Erstmals in der bislang 17 Jahre währenden Unternehmensgeschichte erhöhte Equinox 2009 die Beiträge für bestehende Mitglieder nicht. Zudem führte der Studiobetreiber Meditationskurse und "Power-Nap-Sessions" ein, bei denen die Teilnehmer Stretchübungen machen und anschließend ein Regenerationsnickerchen halten. In Manhattan kostet die Mitgliedschaft im Equinox zwischen 142 Dollar und 173 Dollar pro Monat. Bei Equinox verbringen die Mitglieder mit den Laufbändern, Crosstrainern, Bein-Wadenpressen und sonstigen Fitness-Geräten mehr Zeit als zuvor. Die Auslastung stieg im ersten Quartal um 15 Prozent.

Wegen der hohen Nachfrage bietet Equinox auch zusätzliche Yoga-Kurse an. Zu den Fitness-Kunden, die praktisch täglich die Einrichtungen von Equinox nutzen, gehört Christopher Stadler, der vor Weihnachten seinen Job als Marketing Vice President bei einer Kosmetikfirma an den Nagel hing und nun einen neuen Job sucht. Früher sei das Equinox tagsüber eine "Einöde" gewesen, berichtet Stadler. Seit einem oder zwei Monaten sei es hingegen total überlaufen. "Dies ist ein Zufluchtsort vor Headhuntern und Job-Interviews", erklärt der 38-Jährige.

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