Von der Subprime-Krise profitieren
Hedge-Fonds auf Schnäppchenjagd

Die Immobilienkrise in den USA hat Hedge-Fonds offenbar nur kurz ausgebremst. Jetzt kehren sie gestärkt zurück: Die modernen Finanzinvestoren haben sich neues Kapital beschafft und gehen in die Offensive. Wie sie aus der Krise Profit schlagen wollen.

NEW YORK Sie suchen in der ausgebombten Anlageklasse "Credit" nach Schnäppchen, also nach unterbewerteten Vermögenswerten. "Nach den vorausgegangenen massiven Kursverlusten bietet der Kreditmarkt interessante Einstiegsmöglichkeiten", sagt Marcel Giacometti, Präsident der auf Alternativ-Investments fokussierten Auda Advisor Associates.

Während Großbanken, Hypothekenbanken und Versicherungen bereit seien, Positionen im Kreditbereich - und damit ihr eigenes Risiko - abzubauen, würden Hedge-Fonds bei ihren Investoren Geld einsammeln, um diese Chance zu nutzen, sagt Giacometti. Er gilt als europäischer Hedge-Fonds-Pionier und hat Auda Advisors gemeinsam mit der Quandt-Gruppe vor 18 Jahren in NewYork gegründet.

"An Kapital mangelt es jedenfalls nicht", sagt Giacometti dem Handelsblatt. Dies ist auch die Sichtweise von Phil Duff und Jonathan Katz, die jetzt relativ sichere Jobs bei Morgan Stanley und JP Morgan Chase & Co aufgegeben haben und eigene Hedge-Fonds-Gesellschaften gegründet haben. Die von Duff ins Leben gerufene Robson Ventures LLC will im Oktober mit einem Hedge-Fonds von "weit mehr" als 300 Mill. Dollar an den Start gehen. Darüber hinaus haben Matthew Halbower von der Knight Capital Group und Dow Kim von Merrill Lynch eigene Hedge-Fonds gegründet Halbower will mit einem verwalteten Vermögen von rund einer Mrd. Dollar an den Start gehen, während Kim optimistisch ist, in kurzer Zeit 1,5 bis 3,0 Mrd. Dollar aufnehmen zu können.

Neue wie alte Hedge-Fonds dürften daher wohl in den nächsten Wochen problemlos Kapital von mehr als zehn Mrd. Dollar einsammeln, heißt es in New York. "Die Risikobereitschaft der Großanleger ist weiter vorhanden", sagt Oliver Schupp von Credit Suisse Tremont. Nach wie vor seien Großinvestoren bereit, Kapital zur Verfügung zu stellen. So ist seit kurzem bekannt, dass populäre Manager wie Bain Capital, Blackrock, Eaton Vance, Oaktree Capital und Richard C. Perry Milliardenbeträge aufnehmen wollen, um Chancen in den von Turbulenzen gebeutelten Finanzmärkten wahrzunehmen. Dass Anleger den nach absoluter Rendite strebenden Investoren weiter Kapital zur Verfügung stellen, geht auch aus aktuellen Zahlen der weltgrößten Hedge-Fonds-Gesellschaft Man Group hervor, deren verwaltetes Vermögen auf über 68 Mrd. Dollar (nach 61,7 Mrd. Dollar im März) gestiegen ist. Nach einer Umfrage des Branchenbeobachters Hedge-Fund-Intelligence ist das von Hedge-Fonds weltweit verwaltete Anlagekapital in diesem Jahr bis Juli um 19 Prozent auf etwa 2,5 Bill. Dollar gestiegen.

"Wir halten es für eine sehr kluge Investmentstrategie, jetzt in die Kreditmärkte zu investieren", sagt Kevin Ferro, Gründer von Ferro Capital. Ferro, der vor einigen Jahren das Hedge-Fonds-Geschäft für die Commerzbank aufgebaut hatte, sieht gerade im breiten Spektrum des amerikanischen Kreditmarktes - Anleihen, Konsortialkredite, strukturierte Verbriefungen, Kreditderivate - nach den massiven Kursverlusten interessante Perspektiven. Auch im laufenden Zyklus werde es sich wahrscheinlich als richtige Strategie erweisen, dann zu kaufen, wenn das Wehklagen am größten ist.

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