Vor allem süddeutsche Betriebe sind betroffen
Deutsche Molkereien rechnen mit Einbußen

Der Parmalat-Skandal macht auch den deutschen Molkereien zu schaffen.

ire/jojo BERLIN/MÜNCHEN. Aus Branchenkreisen wurde am Montag bekannt, dass vor allem süddeutsche Betriebe, darunter die Molkerei Alois Müller GmbH & Co. (Müller-Milch), Aretsried, die Milchwerke Jäger GmbH & Co. KG aus dem oberbayerischen Haag sowie die zum Müller-Milch-Imperium gehörende Sachsenmilch von dem Parmalat-Zusammenbruch betroffen seien. Weder Müller noch Jäger waren gestern für eine Stellungnahme zu erreichen.

Als „ärgerlich, aber nicht bedrohlich“ bezeichnete der deutsche Milchindustrie-Verband (MIV) mögliche Forderungsausfälle deutscher Unternehmen im Zusammenhang mit dem Kollaps des italienischen Lebensmittelkonzerns Parmalat. Derzeit laufe die Versorgung unverändert weiter, sagte Verbandsgeschäftsführer Eckhard Heuser dem Handelsblatt.

Die Geschäfte mit italienischen Unternehmen seien in der Regel kreditversichert, fügte Heuser hinzu. So käme im schlimmsten Fall auf die beteiligten deutschen Firmen ein Selbstbehalt von 15 % der Forderungen gemäß den Bedingungen der Hermes Kreditversicherung zu. Nach ersten Schätzungen könnten die deutschen Milch-Produzenten am Ende Ausfälle in Höhe von etwa 10 Mill. Euro zu verkraften haben.

Italien war mit 1,2 Millionen Tonnen Milch und Sahne im Jahr 2003 für die deutschen Molkereien das wichtigste Exportland. Rund 20 % der Exporte sollen an Parmalat gegangen sein. Insgesamt lieferten deutsche Landwirte im vergangenen Jahr rund 28 Millionen Tonnen Milch zur Weiterverarbeitung bei den einheimischen Molkereien ab. Die Ausfuhren beliefen sich insgesamt auf 6 Millionen Tonnen Milch und Sahne. Ob mit oder ohne Parmalat: Italien wird auf absehbare Zeit mit einer Selbstversorgerquote von lediglich 72 % auf Milchimporte in erheblichem Umfang angewiesen sein.

Für einige Unternehmen ist das Land sogar überlebenswichtig. Nach Angaben des Milchwerks Jäger setzt der Betrieb 80 % seiner Produkte in Italien ab: „Ein Markt, der nicht nur für das Milchwerk Jäger, sondern für die gesamte bayerische Milchwirtschaft von existenzieller Wichtigkeit ist“, wie es auf der Homepage der Traditionsfirma heißt. Weil in Bayern so viele Kühe auf den saftigen Weiden grasen, dass die Einheimischen die Milch nicht alleine trinken können, muss das Bundesland jeden zweiten Liter exportieren. Ein Drittel der gesamten Produktionsmenge wird über den Brenner nach Italien transportiert. Jäger beschränkt sich nicht auf die Milchproduktion, sondern stellt auch typisch italienische Produkte her wie Caciotta oder Mozzarella-Käse.

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