Vor dem Aufsichtsratstreffen
Bei Tui brodelt es

Spekulationen um Tuifly, neue Gerüchte um „Heuschrecken“ mit Zerschlagungsfantasien und Ungewissheit nach der Fusion der Reisesparte mit dem britischen Anbieter First Choice – Europas größter Reise-und Schifffahrtskonzern Tui steht vor einer Weichenstellung. Überraschungen sind nicht ausgeschlossen.

HB HANNOVER. Kommentare aus der Konzernzentrale in Hannover gibt es nicht. Doch hinter den Kulissen scheint vieles in Bewegung zu sein. Am 8. November trifft sich der Aufsichtsrat, der auch über eine Vertragsverlängerung für Tui-Chef Michael Frenzel zu entscheiden hat. Der 60-jährige umstrittene Unternehmenslenker kann sich dem Vernehmen nach dabei aber auf seine Kontrolleure verlassen.

Das Reisegeschäft ist auch wegen des mäßigen Sommerwetters in Deutschland zuletzt recht gut gelaufen und für den Winter liegen die Buchungen im Plus. Anfang November legt der Konzern seine Neun-Monats-Zahlen vor. Dann wird man sehen, ob es der Konzern wieder in die Gewinnzone geschafft hat. Das dritte Quartal ist im Tourismus gewöhnlich das ergebnisträchtigste. Im ersten Halbjahr hatte Tui vor allem wegen Problemen bei der neuen Flugmarke Tuifly und bei der Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd rote Zahlen melden müssen. In der Containerschifffahrt gibt es Anzeichen für ein Ende der Talfahrt.

Tuifly bleibt aber eine wichtige Baustelle. Die zu Jahresbeginn aus der Fusion des Tui-Billigfliegers HLX mit der Chartertochter Hapagfly entstandene Marke wird nach Einschätzung von Branchenkennern 2007 zwar vermutlich schwarze Zahlen schreiben, die Planziele aber nicht erreichen. Offen ist, wie es strategisch weitergehen soll. Ob sie als eigenständige Airline ohne Partner auf dem enger werdenden Markt in Deutschland bestehen kann, ist fraglich.

Der Flugmarkt verändert sich in rasantem Tempo. Nicht zuletzt die geplante Übernahme von Condor durch Air Berlin, die sich schon mit Germania, DBA und LTU verstärkt hat, setzt TUIfly unter Druck. Denn damit würde Air Berlin – wenn das Kartellamt mitmacht – den Markt für Ferienflüge weitgehend dominieren. Wie sich Tuifly dagegen in Stellung bringt, wird derzeit heiß diskutiert. Bisher habe Tui den großen Airlinepoker total verschlafen und stehe nun da, wie bestellt und nicht abgeholt, schrieb jüngst ein Fachblatt.

Hinter den Kulissen laufen inzwischen offenbar die Drähte heiß. Die Konzernzentrale äußerte sich zwar in keiner Weise zu Medienberichten etwa über Gespräche mit Lufthansa oder Easyjet. Aber Bemühungen gibt es Branchenkennern zufolge wohl schon seit Wochen, und für Überraschungen war die Tui immer gut.

Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber beantwortete die Frage, ob Tuifly unter dem Dach der Lufthansa einen Platz finden könnte, zwar mit einem klaren Nein. Aber theoretisch könnte eine Allianz mit der Lufthansa-Tochter Germanwings durchaus sinnvoll sein, denn auch manchen Lufthansa-Strategen macht das Erstarken von Air Berlin besorgt. Die ehemaligen HLX-Strecken würden Germanwings gut ergänzen, und der Rest der Tuifly könnte in Anbindung an die Veranstalter weiterlaufen.

Als kleine Sensation würde in der Branche ein Deal der Tui mit Easyjet bewertet. Sie wäre an einem der großen und ertragsstarken Low Cost-Carrier beteiligt, Easyjet bekäme zusätzliche Passagiere und Landerechte in Deutschland sowie vermehrt Kontakt zu den Reisebüros der Tui. Die Chancen dafür werden unterschiedlich eingeschätzt. Auch ein gemeinsamer Vertrieb könnte schon weiterhelfen. Von dem früheren Plan, die nationalen Tui-Airlines mit über 100 Flugzeugen auf europäischer Ebene zu bündeln, ist inzwischen nichts mehr zu hören.

Für das Fluggeschäft zeichnet jetzt die mit First Choice fusionierte Tochter Tui Travel unter der Leitung von Peter Long in London verantwortlich. Und der lässt sich bisher nicht in die Karten gucken. Er will zwar die nationalen Töchtern so weit wie möglich gewähren lassen, aber ansonsten verweist er auf seine ersten 100 Tage im Chefsessel. Strategisch will er sich erst im Januar äußern.

Für Wirbel sorgte US-Finanzinvestor Guy Wyser-Pratte. Er erwarb ein Prozent der Tui-Aktien, forderte die Absetzung Frenzels und nahm eine Zerschlagung des Konzerns ins Visier. Er wolle andere Aktionäre als Verbündete gewinnen, um einen radikalen Kurswechsel durchsetzen zu können, ließ er wissen. Frenzel steht wegen schwacher Aktienkurse zwar seit langem in der Kritik, kann sich aber auf befreundete Hoteliers stützen, die zusammen rund 15 Prozent der Aktien halten und denen es vor allem darauf ankommt, dass sie ihre Betten voll kriegen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%