Vor dem Börsengang
Allgemeine Verunsicherung bei der Bahn

Nach außen verbreitet sie Optimismus, im Inneren ist die Deutsche Bahn vor dem geplanten Börsengang tief verunsichert. Führungskräfte des Konzerns fürchten den Einfluss der Politik und das Auseinanderdriften einzelner Konzernteile. Warum das Modell des integrierten Konzerns gescheitert ist.

BERLIN. Während Bahnchef Hartmut Mehdorn offiziell verkündet, die Börsenstory sei „sehr solide und besser als die der Telekom und der Post“, befürchten Führungskräfte des Konzerns, dass die Politik weiter kräftig in den Konzern hineinregieren werde – bis hin zur Besetzung lukrativer Führungspositionen. Dazu lade das von der Politik beschlossene Privatisierungsmodell, das die Schieneninfrastruktur weiterhin voll im Staatseigentum hält, ein.

„Die Idee vom integrierten Konzern ist gescheitert. Wir werden erleben, wie die Konzernteile ganz langsam auseinanderdriften“, sagte ein Vorstandsmitglied einer Bahntochter dem Handelsblatt. „Die Vorstellung, die Synergieeffekte des Rad-Schiene-Systems zum Nutzen des Gesamtkonzerns heben zu können, ist Vergangenheit“, bestätigte ein anderer Top-Manager aus der zweiten Führungsebene der Bahn diese Einschätzung.

„Wir müssen aufpassen, dass sich die Netz AG unter dem staatlichen Einfluss nicht zu einem Amt für Eisenbahninfrastruktur zurückentwickelt“, ergänzte eine dritte Führungskraft.

Unter dem massiven Druck der SPD-Linken hatte sich die Große Koalition nach jahrelanger Diskussion im Frühjahr in letzter Minute darauf geeinigt, die Teilprivatisierung der noch vollständig im Bundeseigentum stehenden Deutschen Bahn auf die operativen Geschäftsbereiche, im wesentlichen die Sparten Fernverkehr, Regionalverkehr sowie Transport und Logistik, zu beschränken. Diese sollen bis zu 24,9 Prozent an die Börse gebracht werden, möglichst noch in diesem Herbst. Dazu wurden die Unternehmensteile eilig zum 1. Juni dieses Jahres in einer neuen Konzerntochter, der DB Mobility Logistics, zusammengefasst. Der gesamte Infrastrukturbereich, insbesondere das Schienennetz und die Stromversorgung, bleiben voll in staatlicher Hand, repräsentiert durch die Konzernmutter Deutsche Bahn.

Intern hat Mehdorn Handelsblatt-Informationen zufolge bereits zugegeben, dass das Modell des „integrierten Konzerns“ mit dieser politischen Konstruktion gescheitert sei. Vor Journalisten betonte er jetzt allerdings auf Nachfrage, die Bahn werde operativ weiter als integrierter Konzern geführt. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe ihm zugesichert, dass das „wirtschaftliche Element im Unternehmen Deutsche Bahn erhalten bleiben soll“. Der Bahnchef sagte zudem, er glaube nicht, dass im Aufsichtsrat Personalentscheidungen zugunsten verdienter Politiker und Beamter ungeachtet der jeweiligen persönlichen Qualifikation getroffen würden.

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