Vor der Frankfurter Buchmesse
Die Deutschen mögen ihre Bücher

Nichts ist so unterhaltend wie ein gutes Buch, findet Frank Sambeth. Der Chef des größten deutschen Verlags, Random House, glaubt deshalb fest an eine große Zukunft gedruckter Werke. Die Zahlen geben ihm Recht.
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MünchenEin gutes Buch und ein bequemer Sessel: Das reicht vielen Menschen, um einen vergnüglichen Abend zu verbringen – und das schon seit Jahrhunderten. Wenn Frank Sambeth Recht behält, dann wird sich daran auch so schnell nichts ändern. Der deutsche Buchmarkt halte sich ausgesprochen wacker, betonte der Chef von Random House, des größten deutschen Publikumsverlags, am Mittwochabend im Club Wirtschaftspresse München.

Die Branche habe zuletzt zwar etwas weniger Titel verkauft, erklärte der Manager. Dafür seien die Preise aber leicht gestiegen, so dass die Einnahmen der Verlage letztlich stabil geblieben seien. Mit attraktiven Inhalten würden es die Verlage nach wie vor schaffen, die Kunden anzulocken, trotz der zunehmenden Konkurrenz digitaler Medien.

Auch Bertelsmann investiert weiter kräftig ins Verlagsgeschäft: Wie die Gütersloher am Donnerstag bekanntgaben, stockten sie ihren Anteil an Penguin Random House auf 75 Prozent auf. Wie viel Bertelsmann für die zusätzlichen Anteile zahlte, sagte der Konzern nicht. Doch Penguin Random House werde nun mit 3,5 Milliarden Euro bewertet, hieß es weiter.

Der Deal kommt kurz vor dem weltweit wichtigsten Branchentreffen – der Frankfurter Buchmesse. Die Ausstellung sei nach wie vor hochrelevant für Verleger, Buchhändler und Autoren, unterstrich Penguin-Manager Sambeth. Denn nur in Frankfurt kämen alle Beteiligte in wenigen Tagen an einem Ort zusammen.

Sambeths Worte haben Gewicht in der Branche. Schließlich führt der Wirtschaftsingenieur die mit Abstand bedeutendste Verlagsgruppe hierzulande. Laut Börsenverein des deutschen Buchhandels kam Random House als größter deutscher Publikumsverlag zuletzt auf 309 Millionen Euro Umsatz und lag damit weit vor S. Fischer mit 81 Millionen. 45 einzelne Verlage vereint das Münchener Unternehmen, die jeden Monat rund 200 Bücher veröffentlichen.

Insgesamt erzielten die rund 3000 deutschen Buchverlage im vergangenen Jahr knapp 5,2 Milliarden Euro Umsatz. Dabei zeigt sich, dass sich die sogenannten E-Books in der breiten Masse weiterhin nicht durchsetzen. 2016 hatten sie einen Umsatzanteil von 4,6 Prozent am Publikumsmarkt. Die Käuferzahl ist sogar leicht gesunken. Das dürfte unter anderem daran liegen, dass E-Books nur geringfügig günstiger sind als herkömmliche Bücher. Der Grund: Auf E-Books fällt 19 Prozent Mehrwertsteuer an, gedruckte Werke hingegen werden mit sieben Prozent besteuert.

Sambeth zufolge macht es für Random House kaum einen Unterschied, ob die Käufer lieber zu digitalen Büchern oder gedruckten Ausgaben greifen. Kosten und Margen seien vergleichbar.

Random House gehört Bertelsmann und spielt eine zentrale Rolle in dem Medienkonzern. Denn mit Büchern hat alles angefangen. 1835 legte der Drucker und Buchbinder Carls Bertelsmann mit der Gründung des C. Bertelsmann Verlags in Gütersloh die Wurzeln des heutigen, weltumspannenden Unternehmens. Das Buchgeschäft sei für Bertelsmann „seit mehr als 180 Jahren identitätsstiftend“, sagte Vorstandschef Thomas Rabe kürzlich.

Unter Rabes Führung haben sich Penguin und Random House zum weltgrößten Buchkonzern zusammengeschlossen. Vor einigen Monaten kündigte Bertelsmann an, die Anteile auf 75 Prozent aufzustocken. Das übrige Viertel gehört dem Partner Pearson. Der Umsatz der dazugehörigen Publikumsverlage stieg im ersten Halbjahr leicht auf 1,5 Milliarden Euro. Im englischsprachigen Raum verzeichnete die Gruppe dabei rückläufige Umsätze im Geschäft mit E-Books. Einschließlich der deutschen Random House kam Bertelsmann im Buchgeschäft im vergangenen Jahr auf einen weltweiten Umsatz von 3,4 Milliarden Euro.

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