Vorbild Deutschland
Sonderernte beim Wind-Spargel

"Die deutsche Windenergiebranche hat von der Energiepolitik der Bundesregierung profitiert.“ Fritz Vahrenholt, Vorstandschef des Windkraftanlagenherstellers Repower Systems AG und früher parteiloser Umweltsenator im rot-grünen Hamburger Senat, lässt daran keinen Zweifel.

„Das Ziel der Regierung, bis 2012 12,5 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen zu decken, hat die Gesetzgebung beeinflusst und die Bedingungen beflügelt.“ Die Zahlen sprechen für sich: Bis 1998 waren in Deutschland Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 3 000 Megawatt (MW) installiert. Allein 2002 kamen 3 200 MW dazu. Mitte dieses Jahres drehten sich in deutschen Windparks 16 826 Windräder mit einer Leistung von 17 000 MW, so viele, dass Kritiker schon von einer „Verspargelung der Landschaft“ sprechen.

Bei der Anwendung der Windenergie steht Deutschland mit Abstand vor Spanien und den USA an der Spitze. Dies hat sich auch bei den Exporten niedergeschlagen. Thorsten Herdan, Geschäftsführer VDMA Power Systems: „Die Exportquote betrug 2004 rund 59 Prozent.“ Insgesamt steht die deutsche Windkraftindustrie mit neun Firmen und Zulieferern für mehr als 50 000 Beschäftigte.

Das süße Gift der Subvention hat die Branche aber auch „etwas eingelullt“, räumt Repower-Chef Vahrenholt ein. „Warum soll ich mich im Nachbargarten nach den Früchten recken, wenn sie bei mir zu Hause leichter zu pflücken sind?“ In einem boomenden Markt mit Steigerungsraten von 20 Prozent werden Fehler eher verziehen. Und strukturelle Fehler länger verdeckt. Gespürt hat das die Branche 2004. Nach dem Zusammenbruch des US-Markts auf Grund einer neuen Steuergesetzgebung schaufelten der dänische Weltmarktführer Vestas und General Electric ihre Kapazitäten zu Kampfpreisen auf den deutschen Markt. Deutsche Windparkprojektierer orientierten sich aber weiter an der Einspeisevergütung und wollten keine Abstriche bei der projektierten Rendite hinnehmen. Die Folge: Mehrere Hersteller, allen voran Nordex, gerieten in Nöte. Auch Repower, weltweit auf Rang sechs, rutschte in die Verlustzone.

Entlastung aber ist in Sicht. Dies hängt, so Vahrenholt, damit zusammen, dass viele Länder das deutsche Modell kopieren. Nach Spanien und Frankreich hat jetzt auch China die Förderung gesetzlich verankert und erste Aufträge bei Repower und Nordex platziert.

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