Vorschlag des Bahn-Chefs
Mehdorn will Bahnprivatisierung über Namensaktien

Um Kritiker an der Bahnprivatisierung zu besänftigen, schaltet sich Bahnchef Hartmut Mehdorn mit einem neuen Vorschlag in die Debatte ein: Durch die Ausgabe von Namensaktien sollen die einzelnen Aktionäre erkennbar gemacht werden. Gleichzeitig stellt er Nachforderungen an die Zahlungen des Bundes zum Netzerhalt.

HB BERLIN. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn plädiert für eine Teilprivatisierung der Deutschen Bahn über Namensaktien. Damit müsse sich jeder Aktionär zu erkennen geben, sagte er der „Wirtschaftswoche“. So könnten Bahn und Bund den Überblick über die Anteilseigner behalten. Dies würde auch Ängsten in der Bevölkerung entgegenwirken, „unredliche Zeitgenossen könnten sich hinten herum der Bahn bemächtigen“. Das in Teilen der SPD favorisierte Volksaktien-Modell zur Abwehr dubioser Großanleger lehnte Mehdorn erneut ab.

Zugleich forderte der Konzern-Chef vom Bund die Möglichkeit zur regelmäßigen Erhöhung der Preise für die Nutzung des Schienennetzes. Eine Steigerung jeweils um den Inflationsausgleich wäre eine realistische Zielgröße, sagte er. Im Gegenzug signalisierte Mehdorn, dass das Unternehmen die Milliardenkosten für den Erhalt des Netzes drücken könne, der vom Bund bezahlt wird. Die Einsparung von drei bis vier Prozent über eine Optimierung der Baustellen und einen preiswerteren Materialeinkauf dürfte hier möglich sein, sagte er. Nach dem Gesetzentwurf von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) soll der Bund der Bahn künftig bis zu 2,5 Milliarden Euro im Jahr für den Erhalt des Netzes zahlen.

Der Bundestag hatte am Freitag erstmals über Tiefensees Pläne beraten. Auch in Teilen von Union und SPD gibt es gegen sein Modell in derzeitiger Form Widerstand. Der Bund bleibt danach zwar formal Eigentümer des Netzes und zahlt Milliardenzuschüsse für dessen Unterhalt, die Bahn als wirtschaftlicher Eigentümer aber betreibt die Trassen und führt Gewinne oder Verluste in der eigenen Bilanz. Um das Netz nach 15 Jahren zurückzubekommen, müsste der Bund einen Wertausgleich von derzeit 7,5 Milliarden Euro zahlen.

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