Vorstandsabgang
Akhavan reißt Lücke bei der Telekom

Das Führungstrio der Deutschen Telekom bricht überraschend auseinander. Hamid Akhavan, bislang als Chief Operating Officer (COO) für das Tagesgeschäft verantwortlich und die Nummer zwei im Magenta-Konzern, wechselt zur Siemenstochter SEN. Für René Obermann ein schwerer Schlag, der Amerikaner galt als einer der engsten Vertrauten des Telekom-Chefs.
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DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Der für das Tagesgeschäft zuständige Vorstand Hamid Akhavan wechselt zum Telefonanlagen-Bauer Siemens Enterprise Communications (SEN). „Seine Aufgabe ist mit der Verschmelzung von Mobil- und Festnetzsparte erledigt“, sagte ein Vertrauter in Bonn zum Motiv seines Wechsels. Durch die neue Telekom-Struktur hatte Akhavan zuletzt Einfluss auf das operative Geschäft verloren. Schon länger kursierten in der Bonner Konzernzentrale Gerüchte über einen Weggang von Akhavan. Denn Chancen auf den Vorstandsvorsitz bei der Telekom wurden ihm im Gegensatz zum früheren T-Mobile-Chef Obermann nicht eingeräumt. Beim Großaktionär in Berlin war er politisch ohnehin nicht verdrahtet. Insider beobachteten, dass der Manager schon länger abwesend gewirkt habe. Akhavan, der bereits seit acht Jahren dem Vorstand des Magenta-Konzerns angehört, dementierte zuletzt alle Spekulationen mit seiner Aussage „Mir macht meine Arbeit hier Spaß“.

Der alerte Manager Akhavan wird nun zum Netzwerk-Spezialisten Siemens Enterprise Communications (SEN) als Vorstandschef wechseln. Das bestätigte Siemens am Montagabend. Die Telekom wollte den Wechsel von Akhavan am Montag nicht kommentieren. Für Dienstag wird die offizielle Bestätigung erwartet.

Für Telekom-Chef Obermann ist der Abschied von Akhavan ein schwerer Schlag. Als COO des Bonner Konzerns war der rastlose Manager, der mit sehr wenig Schlaf auskommt, für Innovationen zuständig. Außerdem leitete er die Mobilfunktöchter in Westeuropa. T-Mobile hat weltweit 150 Millionen Kunden. „Innovationen sind essentiell für deren Umsatz“, sagte Akhavan zuletzt dem Handelsblatt. Zu seinen Projekten gehörte den früher so behäbigen Konzern zu einem Innovationsmotor zu machen. Doch mit dem Weggang von Akhavan bleibt das strategische Projekt unerledigt. Zuletzt gab die Telekom nur ein Prozent ihres Umsatzes für Innovationen aus. Das ist beispielsweise im Vergleich zum Computer- und Handyhersteller Apple verschwindend gering.

Obermann hatte versucht Akhavan mit dem im März neu geschaffenen Posten des COO zu halten. „Das Konzept von René Obermann bereitet den Konzern bestens auf die Chancen der Zukunft vor", sagte damals Aufsichtsratsvorsitzender und Ex-Henkel-Chef Ulrich Lehner. Doch Obermann hat durch die Schaffung zweier neuer Vorstandsressorts Akhavan auch vor den Kopf gestoßen. Den Machtverlust hat der Amerikaner persischer Herkunft nie verschmerzt. Denn mit Niek Jan van Damme, der nun das neue Deutschland-Ressort leitet, hatte Obermann einen mächtigen Mann aufgebaut. Der Niederländer verantwortet fast die Hälfte des gesamten Telekom-Umsatzes von zuletzt 62,5 Mrd. Euro. Zudem betraute er den früheren Bertelsmann-Finanzmanager Guido Kerkhoff mit dem Wachstumsgeschäft in Süd- und Osteuropa. Zuvor hatte der in Teheran geborene Akhavan, der kaum Deutsch spricht, die gesamte Mobilfunksparte geleitet.

Bevor er zur Telekom kam, hatte Akhavan fast sein ganzes Arbeitsleben in den Vereinigten Staaten verbracht. Seine Karriere begann er 1987 nach einem Studium der Elektrotechnik und Informatik bei der Raumfahrtorganisation Nasa in Pasadena, einer gemütlichen Uni-Stadt nördlich von Los Angeles. Zwei Jahre später heuerte er in der Telekomindustrie an. Er wechselte zum Telefonkonzern Bell in Red Bank im US-Bundesstaat New Jersey und später nach Washington D. C. Zuletzt arbeitete er in den USA als Vorstand für den Telekomkonzern Teligent in Vienna in Virginia. Bei der Telekom ist Akhavan bereits seit September 2001. Bei T-Mobile war er zu Beginn Technologie-Chef für Europa. Bereits ein Jahr später stieg er in den Vorstand von T-Mobile auf und war dort für Technologie und IT zuständig. Telekom-Chef René Obermann und Akhavan kennen sich seit dieser Zeit. Obermann war damals T-Mobile-Chef. Die Begeisterung für technische Neuentwicklungen vereint beide. Akhavan hat schon als Zehnjähriger Stereoanlagen repariert. Wer Akhavan nachfolgen könnte, war am Montagabend unklar. Unsicher ist auch, ob es überhaupt die Position des COO weiter geben wird.

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