Vorstoß auf den Postmarkt
Axel Springer übernimmt Mehrheit bei PIN

Nach dem gescheiterten Vorstoß auf den deutschen Fernsehmarkt forciert die Axel Springer AG ihr Engagement im Postgeschäft. Der Medienkonzern übernimmt für rund eine halbe Milliarde Euro die Mehrheit am Postdienstleister PIN Group und will so von der Öffnung des deutschen Postmarktes profitieren.

dpa-afx BERLIN. "Dieses Geschäft wollen wir zu einer weiteren starken Säule von Axel Springer entwickeln", sagte Springer-Chef Mathias Döpfner am Donnerstag. Eine Sprecherin ergänzte auf Anfrage, das Geschäft mit Postdienstleistungen könnte künftig rund ein Drittel der Springer-Umsätze ausmachen. Einen genauen Zeitrahmen nannte sie allerdings nicht.

Springer stockt seinen Anteil an dem Luxemburger Unternehmen zunächst von 23,5 Prozent auf 71,6 Prozent auf. Die Anteile kommen von den Mitgesellschaftern WAZ-Mediengruppe, der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck und der Rosalia AG, die aber als Kooperationspartner mit Minderheitsanteilen im Boot bleiben wollen. "Wir haben es hier nicht mit der Situation zu tun, dass Altgesellschafter Kasse machen. Alle bleiben an Bord. Es sollte nur ein Gesellschafter die klare Unternehmensführung haben", sagte die Sprecherin. Der Kaufpreis liegt bei 510 Mill. Euro. Das Kartellamt muss der Übernahme noch zustimmen.

Im Laufe des Jahres sollen weitere Regionalzeitungsverlage ihr Postgeschäft einbringen. So will beispielsweise die West Mail Holding Gmbh, ein Joint Venture von Dumont Schauberg, der Mediengruppe Rheinische Post und des Verlags W. Girardet, Gesellschafter bei PIN werden. Der Springer-Anteil wird sich dadurch voraussichtlich wieder auf 63,7 Prozent reduzieren. So sollen verbleibende Lücken in der Abdeckung geschlossen werden. Laut Springer erreicht die PIN Group gegenwärtig rund 96 Prozent der deutschen Haushalte. Zunächst soll sich das Geschäft auf den deutschen Markt konzentrieren. "Wir schließen weitere Schritte ins Ausland aber nicht aus", sagte die Sprecherin. Konkrete Pläne gebe es hier allerdings noch keine.

Die im Jahr 2005 gegründete PIN Group AG bündelt die Post-Aktivitäten der Verlage, die so vorhandene Zustellstrukturen besser nutzen wollen. Die PIN-Gruppe verfügt über mehr als 60 regionale Tochterunternehmen und beschäftigte zuletzt mehr als 7 000 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 168,3 Mill. Euro. In diesem Jahr sind Erlöse in Höhe von 350 Mill. Euro angepeilt, bis 2015 soll der Umsatz auf 1,5 bis 2,0 Mrd. Euro anschwellen.

Nach der gescheiterten Übernahme des TV-Konzerns Prosiebensat.1 im vergangenen Jahr sieht sich Springer verstärkt nach alternativen Investments um. So verstärkte sich der Konzern unter anderem im Printbereich in der Schweiz, baute seine Online-Aktivitäten aus und stieg bei der türkischen Sendergruppe Dogan TV ein.

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