Vorwurf an deutsche Handelsketten

Oxfam beklagt Zustände auf Obstplantagen

Beim Anbau von Bananen und Ananas für deutsche Supermärkte sollen teilweise menschenunwürdige Zustände herrschen. Das beklagt die Hilfsorganisation Oxfam in einer Studie. Doch gibt es Streit um die Nachprüfbarkeit.
Update: 31.05.2016 - 16:40 Uhr
Oxfam zufolge sollen auch auf Plantagen, die mit dem Nachhaltigkeitssiegel der Rainforest Alliance zertifiziert wurden, katastrophale Zustände herrschen. Quelle: dpa
Aufkleber der Umweltorganisation Rainforest Alliance

Oxfam zufolge sollen auch auf Plantagen, die mit dem Nachhaltigkeitssiegel der Rainforest Alliance zertifiziert wurden, katastrophale Zustände herrschen.

(Foto: dpa)

BerlinDie Hilfsorganisation Oxfam wirft den großen deutschen Lebensmittel-Handelsketten Edeka, Rewe, Aldi und Lidl vor, Bananen und Ananas von Plantagen zu beziehen, auf denen massiv gegen Menschenrechte verstoßen werde. Arbeiter seien dort hochgiftigen Pestiziden schutzlos ausgeliefert, Gewerkschafter würden unterdrückt und bedroht sowie Mindestlöhne unterschritten, berichtete Oxfam in seiner am Dienstag veröffentlichten Studie mit dem Titel „Süße Früchte, bittere Wahrheiten“.

Oxfam hatte für die Untersuchung nach eigenen Angaben Plantagen in Ecuador und Costa Rica besucht, mehr als 200 Arbeiterinnen und Arbeiter befragen lassen und mit zahlreichen Experten gesprochen. Auch auf Plantagen, die mit dem weit verbreiteten Nachhaltigkeitssiegel der Rainforest Alliance - erkennbar am grünen Frosch – zertifiziert wurden, seien die Zustände katastrophal.

Die Umweltschutz-Initiative Rainforest Alliance hat eine Prüfung der Vorwürfe eingeleitet. Die Rainforest Alliance und das Netzwerk für Nachhaltige Landwirtschaft (SAN) nähmen die Anschuldigungen aus dem am Dienstag von Oxfam Deutschland veröffentlichten Bericht „sehr ernst“, erklärte die Initiative.

Die Prüfung dauere noch an, doch könnten bisherige Ermittlungen die Anschuldigungen von Oxfam nicht bestätigen, hieß es.

Diese Händler machen Deutschland satt
Platz 10: Globus
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Die Supermarktkette aus dem Saarland entwickelte bereits 1966 ein Konzept, das einem modernen Supermarkt ähnelt. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 18.500 Mitarbeiter in 46 SB-Warenhäusern. Im Jahr 2015 erreichte die Globus-Gruppe einen Umsatz von 4,82 Milliarden Euro.

Quelle: TradeDimensions

Platz 9: Rossmann
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Die Drogeriekette kann den Umsatz mit Lebensmitteln im Vergleich zum Vorjahr deutlich steigern. Waren es 2014 noch 5,41 Milliarden Euro, machte Rossmann im vergangenen Jahr 5,75 Milliarden Euro Umsatz. Die Drogeriekette von Dirk Roßmann verkauft vor allem Bio-Lebensmittel und Wein.

Platz 8 : dm
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Der erste dm-Markt eröffnete 1973 in Karlsruhe. Heute ist dm in zwölf europäischen Ländern mit über 3.200 Marken präsent. Mit 7,03 Milliarden Euro Umsatz dürfte der Drogeriekonzern durchaus zufrieden auf das vergangene Jahr zurückblicken.

Platz 7: Tengelmann
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2015 gehörte die Handelskette aus Mühlheim an der Ruhr noch zu den größten Lebensmittelhändlern der Republik mit einem Umsatz von 7,7 Milliarden Euro im Jahr 2015. Im März 2016 wurde allerdings die Übernahme durch den Konkurrenten Edeka von Wirtschaftsminister Gabriel genehmigt.

Platz 6: Lekkerland
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Der Handelsriese mit Sitz in Frechen beliefert vor allem die Shops von Tankstellen und kleine Büdchen. Das Geschäft mit dem Spontan- und Spätkauf katapultiert Lekkerland unter die größten Händler mit einem Umsatz von 9,08 Milliarden Euro.

Platz 5: Metro-Gruppe
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Zum Dax-Konzern gehört mit Metro Cash&Carry nicht nur der führende Lebensmittel-Großhändler, sondern auch die real-Supermärkte. Damit nehmen die Düsseldorfer unter Deutschlands Lebensmittelhändlern eine führende Position ein. Dennoch büßte die Gruppe im Vergleich zu 2014 mehr als drei Milliarden Euro ein und brachte es im vergangenen Jahr auf einen Umsatz in Höhe von 26,13 Milliarden Euro. Verantwortlich dafür ist der Verkauf der Warenhaussparte Galeria Kaufhof.

Platz 4: Aldi
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Beim Lebensmittelabsatz landet der Discounter auch in diesem Jahr nicht auf dem Treppchen – überholt aber Metro und landet auf Platz vier. Der Umsatz stieg 2015 auf 27,8 Milliarden Euro. Aldi Nord und Aldi Süd legten gemeinsam um 1,5 Prozent zu.

Die Rainforest Alliance erklärte nun, sie lade Oxfam ein, noch einmal gemeinsam die betroffenen Betriebe in Ecuador und Costa Rica zu besuchen, um die Einhaltung der Standards der SAN-Organisation zu überprüfen. Sollten die SAN-Standards nicht eingehalten werden, würden Schritte ergriffen, um die Zustände auf den Plantagen sowie das eigene System zur Zertifizierung der Betriebe zu verbessern.

Der Handelskonzern Rewe betonte in einer Stellungnahme, dass für alle Bananen und Ananas der Eigenmarken mit den Lieferanten eine verbindliche Zertifizierung nach dem Standard der Rainforest Alliance vereinbart worden sei. Sollte es Hinweise geben, dass es hier zu Verstößen komme, würden diese selbstverständlich geprüft und gegebenenfalls geahndet. Rewe habe Oxfam deshalb um konkretere Informationen gebeten. Die Organisation habe die Vorwürfe aber „bis heute nicht belegen können“.

Aldi betonte, die von Oxfam geschilderten Zustände seien „in keiner Weise mit dem Verständnis des Unternehmens von sozial gerechten und menschenwürdigen Arbeitsbedingungen vereinbar.“ Aldi werde solche Zustände nicht tolerieren. Das Unternehmen stehe mit seinen Lieferanten im Austausch und werde begründeten Verdachtsfällen nachgehen.

Auch Lidl betonte, man nehme das Thema Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern sehr ernst und arbeite mit Lieferanten seit Jahren aktiv an Maßnahmen zur kontinuierlichen Verbesserung. Beide Discounter verwiesen aber auch darauf, dass die Anschuldigungen bereits von der Rainforst Alliance geprüft worden seien und nicht hätten bestätigt werden können.

Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka betonte ebenfalls sein Engagement für die Verbesserung der Umwelt- und Sozialstandards. Edeka arbeite beispielsweise gemeinsam mit der Umweltorganisation WWF in Modellprojekten in Kolumbien und Ecuador daran, die Umwelt- und Arbeitsbedingungen beim konventionellen Bananenanbau spürbar zu verbessern. Das Unternehmen strebe eine lückenlose Umsetzung der geforderten Standards an. Bisher lägen Edeka jedoch noch keine Angaben vor, auf welcher Datenbasis und auf welchen Farmen die aktuellen Rechercheergebnisse von Oxfam ermittelt worden seien.

  • dpa
  • afp
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