Wachsende Konkurrenz aus Dubai
Lufthansa fürchtet die Scheichs

Lufthansa-Chef Mayrhuber hat sich am Mittwoch über Wachstumsbremsen in Deutschland beklagt. Wegen bürokratischer Hürden und fehlender politischer Unterstützung befürchtet er, die heimische Branche könnte beispielsweise gegenüber Dubai ins Hintertreffen geraten. Nichtsdestotrotz peilt die Kranich-Linie für 2008 operativ einen Milliarden-Gewinn an.

HB KÖLN. „Wir müssen die Luftfahrt fördern, wir dürfen sie nicht behindern“, forderte Mayrhuber auf der Hauptversammlung am Mittwoch in Köln. „Während wir hier Anhörungshallen bauen, entstehen in Dubai Großflughäfen“, sagt er. Der Golfstaat treibt derzeit den Ausbau des Flughafens Dubai zum weltgrößte Drehkreuz voran. „Der Ausbau auf eine Kapazität von 60 Millionen Passagieren ist noch nicht abgeschlossen, da wird schon der Beton für den nächsten Großflughafen in der Wüste angerührt“, sagte Mayrhuber. „Hier in Deutschland stoßen wir immer wieder auf Investitionshürden und hausgemachte Wachstumsbremsen“, kritisierte er.

Mayrhuber sieht eine „zunehmende Reichensteuer-Mentalität“ in Deutschland. Als Beispiel für seiner Ansicht nach zu lange Genehmigungsverfahren und zu viel Bürokratie nannte er den geplanten Ausbau des Frankfurter Flughafens. Allein 150 Mill. Euro Kosten für die Abwicklung des Verfahrens seien nicht tragbar. „Wir brauchen weniger Bürokratie, dafür mehr Mut, mehr Weitblick, mehr Geschwindigkeit, mehr Veränderungsbereitschaft“, sagte Mayrhuber. Der Standort Deutschland beraube sich Zukunftschancen, indem für die Genehmigung des neuen Berliner Großflughafens vom Gericht gleichzeitig die Betriebszeiten in der Nacht gekappt worden seien.

Um die Wachstumschancen der Luftfahrtindustrie in Deutschland zu nutzen, sei eine ausreichende Infrastruktur erforderlich, betonte Mayrhuber. Luftverkehr sei das ökonomischste und ökologische Transportmittel für Distanzen über 400 Kilometer, betonte der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende. „Drei Kilometer Schienen oder drei Kilometer Autobahn bringen Sie genau drei Kilometer weit. Drei Kilometer Startbahn bringen Sie in die ganze Welt“, sagte er. Das Drei-Liter-Flugzeug fliege bereits, der Lärmteppich sei geschrumpft auf die Flughäfen und ihr unmittelbares Umfeld. Und die Technik halte schon weitere Fortschritte bereit. „Wir werden noch leiser. Wir sind noch lange nicht am Ende der technischen Möglichkeiten.“

Lufthansa bekräftigt Gewinnziel

Die Deutsche Lufthansa hält trotz steigender Treibstoffkosten und wachsender Konkurrenz an ihren mittelfristigen Gewinnzielen fest. Auch bei anhaltendem Gegenwind durch den hohen Ölpreis und einem unverändert harten Wettbewerb in der Luftfahrt wolle die Fluggesellschaft ihr operatives Ergebnis im Jahr 2008 auf eine Milliarde Euro verbessern, sagte Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Köln. „Unsere Unternehmensgröße erfordert einen solchen Gewinn“, sagte der Konzern-Lenker. Für das laufende Jahr bleibe es nach dem gestiegenen operativen Verlust im ersten Quartal bei dem Ziel, mindestens das Ergebnis von 577 Mill. Euro des Vorjahres zu erreichen. „Das Umfeld ist weiterhin gut und stimmt optimistisch für das laufende Geschäftsjahr“, sagte der Konzernchef.

Den Aktionäre winkt die Ausschüttung einer Dividende von 50 Cent pro Aktie. Das sind 20 Cent mehr als im Vorjahr. Das Management hatte die von ihr vorgeschlagene Dividendenerhöhung vor allem mit außerordentlichen Erlösen durch den Verkauf von Beteiligungen begründet. Vorstand und Aufsichtsrat wurden mit jeweils nahezu 100 Prozent der abgegebenen Stimmen entlastet. 36 Prozent des Kapitals waren bei der Abstimmung vertreten.

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