Wachstum erwartet
Berater stehen in den Startlöchern

Unternehmensberater verzeichnen wieder steigende Nachfrage. Statt reiner Kostensenkung suchen Unternehmen verstärkt Rat für Projekte, die Wachstum versprechen.

FRANKFURT/M. Die Flaute auf dem Markt für Unternehmensberater scheint vorüber. Der Umsatz im ersten Halbjahr ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Das Interesse der Kunden, sich wieder wachstumsorientierten Projekten zu widmen, wächst. Das zeigt eine Umfrage des Handelsblatts.

Burkhard Schwenker, Chef der zweitgrößten deutschen Unternehmensberatung Roland Berger, rechnet damit, dass sein Unternehmen in diesem Jahr ein Wachstum im höheren einstelligen Prozentbereich realisieren kann: „In den ersten Monaten dieses Jahres konnten wir eine leichte Erholungstendenz feststellen. Nach unserer Auffassung wird der Weltmarkt 2003 sicher nicht mehr schrumpfen, sondern stagnieren beziehungsweise sich sogar leicht positiv entwickeln“, sagt Schwenker. Auch A. T. Kearney, die Nummer vier der Branche, befindet sich wieder auf Wachstumskurs, nach einem drastischen Umsatzminus von über 12 % im vergangenen Jahr. „Wir haben im ersten Halbjahr 2003 um 5,5 % zugelegt und hoffen, das in der zweiten Jahreshälfte mindestens fortschreiben zu können“, sagt der Zentraleuropa-Chef von A.T. Kearney, Michael Träm.

Auch kleinere Firmen wie Mercer Management Consulting, Celerant Consulting und Diamond Cluster rechnen mit Zuwachs. „Im Moment drehen sich die Projekte zwar immer noch hauptsächlich um Kostensenkung, aber ich rechne damit, dass sich bis zum Jahresende die Nachfrage nach wachstumsorientierten Projekten wieder belebt“, sagt Celerant-Chef Wolfram Kürschner.

Eine Einschätzung, die Olaf Theilmann von Diamond Cluster teilt: „In vielen Branchen gibt es nur noch langsames Wachstum. Und da, wo Verdrängungswettbewerb herrscht, müssen die Unternehmen wieder Geld ausgeben, wenn sie ihren Umsatz steigern wollen.“ So zögen die Aufträge aus der Telekommunikationsbranche langsam wieder an – einer der Bereiche, auf den Diamond Cluster spezialisiert ist.

Peter Baumgartner, Deutschlandchef von Mercer Management Consulting, sieht noch großes Potenzial in der Automobilindustrie: „Hier stehen jetzt Fragen der Vertriebsorganisation, der Bereich After Sales und Markenführung im Vordergrund.“ Michael Träm von A.T. Kearney registriert besonders aus den Branchen Chemie, Energie und Versorgung sowie Banken und Versicherungen mehr Nachfragen. Außerdem zieht – aus dem Ausland getrieben – das Fusions- und Übernahmegeschäft wieder an. Bei der Integration der Zukäufe ist oft die Hilfe der Berater gefragt.

Dennoch hat die Flaute der vergangenen zwei Jahre im Beratergeschäft tiefe Spuren hinterlassen. Die Kunden fragen verstärkt nach dem Nutzen, den die teuren Experten dem Unternehmen bringen. „Der Kunde freut sich darüber, wenn er mit klaren Aussagen zu Kosten und Ergebnis Sicherheit in unsicheren Zeiten bekommt“ – so formuliert es Celerant-Chef Kürschner. Erfolgsabhängige Vergütung werde dennoch erst von wenigen Kunden gefordert.

Die genaue Kosten-Nutzen-Analyse führt allerdings auch für den Berater zu höherem Aufwand, noch bevor er den Zuschlag für ein Projekt bekommt, sagt Jürgen Sponnagel, seit Anfang Juli Chef bei Mummert Consulting: „Unsere Ausgaben im Bereich Pre-Sales sind im Vergleich zu früher deutlich gestiegen, weil wir mit dem Kunden vorher detailliert seine Risiken und Erfolgspositionen durchgehen.“

Ganz ungetrübt sind die Aussichten der Berater für die zweite Jahreshälfte nicht: Die unsichere politische und wirtschaftliche Lage bringt es nach Ansicht vieler Consultant-Firmen immer noch mit sich, dass Unternehmen bei Investitionen noch abwarten. Stabil sei der Wachstumstrend deshalb nicht.

Mummert-Chef Sponnagel jedenfalls hat ausgesprochen „flache Erwartungen“, was das Branchenwachstum anbelangt. Allerdings hat Mummert im Unterschied zu den Strategieberatern seinen Schwerpunkt in der IT-Prozessberatung, einem Bereich, der im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen ist.

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