Wachstumsmarkt
Starbucks will Chinesen den Morgenkaffee angewöhnen

Die amerikanische Kette will die Zahl ihrer Läden im Reich der Mitte verdreifachen. Zu ihrem großen Verdruss trinken die Menschen dort bisher jedoch viel lieber grünen Tee.
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HB PEKING. Die US-Caféhauskette Starbucks will die Zahl seiner Filialen im Wachstumsmarkt China von 406 in den kommenden fünf Jahren auf über 1500 erhöhen. Das gehöre zum internationalen Expansionsplan, teilte das Unternehmen in Seattle mit.

Starbucks mache in China den größten Umsatz am Nachmittag und abends, sagte Agenturberichten zufolge Firmenchef Howard Schultz. Seine Marketing-Abteilung versuche nun, den Morgenkaffee in dem fernöstlichen Land als Gewohnheit zu verankern.

Das wird vermutlich schwierig werden. Die Chinesen sind bisher eindeutig Teetrinker. Das Land konsumiert jährlich etwa 45 000 Tonnen Kaffe gegenüber 700 000 Tonnen Tee. Zum Vergleich: Die USA (mit nur einem Viertel der Bevölkerungszahl) importieren jährlich 1,4 Millionen Tonnen Kaffe.

Aus Sicht von Starbucks würde das zwar eher für das Potential des Marktes sprechen. Doch es sprechen noch andere Faktoren gegen die Weltkette aus den USA - etwa die Findigkiet der Chinesen. An allen Ecken machen bereits Fälschungen mit rundem, grünen Logo und ähnlichem Ambiente auf.

Die Heißgetränke kosten beim einheimischen Starbucks-Abklatsch nur ein rundes Drittel des Originalpreises. Denn die US-Kette erscheint den meisten Chinesen unverschämt teuer: Eine Tasse Cappucino und ein Muffin kosten bei Starbucks in Peking so viel wie eine Mahlzeit in einem örtlichen Restaurant inklusive Getränken.

Auch andere Einzelhändler setzen derzeit auf China, darunter praktisch alle wichtigen Spieler aus Deutschland. Adidas will in dort in einem ähnlichen Zeitraum 2500 neue Geschäfte eröffnen. Die Metro-Gruppe plant landesweit 200 Filialen der Elektrokette Mediamarkt. Der Grund für die Fernost-Begeisterung: Chinas Mittelklasse fragt verstärkt die gleichen Waren und Annehmlichkeiten nach wie die in Amerika oder Europa - und kann sie sich auch zunehmend leisten.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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