Währungskurs
Schwacher Rubel stärkt russisches Bier

Der Verfall des Rubels hat Importe für Russland deutlich verteuert. Das gilt für Autos genauso wie für Bier oder Baumaterial. Die Nachfrage nach einheimischen Produkten wächst – zur Freude der russischen Unternehmen.
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MoskauIm Kampf um Marktanteile haben die russischen Bierbrauer derzeit einen mächtigen Verbündeten: den günstigen Rubel. Er machte die Konkurrenz aus dem Ausland deutlich teurer, so dass die Kunden verstärkt zu den Marken der einheimischen Brauereien griffen. Doch derzeit ist der Rubel wieder im Aufwärtstrend.

Das freut Millionen Russen, weil die Inflation im Zaum gehalten wird. Die russischen Unternehmen fürchten dagegen, erneut ins Hintertreffen zu geraten.

Für Nikita Filippow, Miteigentümer einer Brauerei in Sankt Petersburg, war der niedrige Rubel ein Segen. „Die europäischen Biere hatten preislich das obere Ende erreicht und die Barbesitzer merkten, dass sie ihre Preise nicht noch mehr erhöhen konnten, weil das Bier dann unbezahlbar geworden wäre“, sagt er. „Das war ein entscheidender Moment.“ Die Gastwirte hätten zum ersten Mal seit Jahren über ihre Profitmargen nachdenken müssen und sich dann den örtlichen Brauereien zugewandt.

Die Regierung fördert solche Trends in der Hoffnung, doch noch einen Vorteil aus dem rasanten Verfall des Rubels im vergangenen Jahr zu ziehen.

Von dem niedrigen Kurs profitierten in Russland unter anderem der Bausektor und die Ölbranche, die ihr Produkt zwar in Dollar verkauft, viele Kosten aber in Rubel bezahlt. Das milderte auch die Folgen des niedrigeren Ölpreises etwas ab.

Der Rubel schnitt gegenüber dem Dollar 2014 am zweitschlechtesten ab. In diesem Jahr gehört die Währung allerdings zu den erfolgreichsten. Während wahrer Panikverkäufe im Dezember gab es für einen Dollar fast 80 Rubel zu kaufen. Doch der Kurs erholte sich und stand Ende der vergangenen Woche bei 52,60 Rubel pro Dollar. Das ist aber ein Drittel weniger als im Januar 2014, so dass die russischen Hersteller immer noch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Importen verzeichnen.

Frisches Bier einer russischen Brauerei kostet derzeit in den Moskauer Bars zwischen 150 und 200 Rubel (2,75 und 3,70 Euro) pro halben Liter. Für die importierten Biere aus Deutschland und Belgien, die lange das Premium-Segment dominierten, muss der Gast dagegen rund 300 Rubel (5,50 Euro) bezahlen.

Die Nachfrage nach russischem Bier sei derzeit doppelt so groß wie das Angebot, schätzt Filippow. Wegen der teureren Hopfen-Importe habe er seine Preise im Dezember um zehn bis 15 Prozent anheben müssen. Diese Steigerung ist jedoch immer noch geringer als die der Konkurrenten aus dem Ausland.

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