Währungskurs

Schwacher Rubel stärkt russisches Bier

Der Verfall des Rubels hat Importe für Russland deutlich verteuert. Das gilt für Autos genauso wie für Bier oder Baumaterial. Die Nachfrage nach einheimischen Produkten wächst – zur Freude der russischen Unternehmen.
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Die Nachfrage nach russischem Bier ist derzeit schätzungsweise doppelt so groß wie das Angebot. Quelle: dpa
Beliebtes Bier

Die Nachfrage nach russischem Bier ist derzeit schätzungsweise doppelt so groß wie das Angebot.

(Foto: dpa)

MoskauIm Kampf um Marktanteile haben die russischen Bierbrauer derzeit einen mächtigen Verbündeten: den günstigen Rubel. Er machte die Konkurrenz aus dem Ausland deutlich teurer, so dass die Kunden verstärkt zu den Marken der einheimischen Brauereien griffen. Doch derzeit ist der Rubel wieder im Aufwärtstrend.

Das freut Millionen Russen, weil die Inflation im Zaum gehalten wird. Die russischen Unternehmen fürchten dagegen, erneut ins Hintertreffen zu geraten.

Für Nikita Filippow, Miteigentümer einer Brauerei in Sankt Petersburg, war der niedrige Rubel ein Segen. „Die europäischen Biere hatten preislich das obere Ende erreicht und die Barbesitzer merkten, dass sie ihre Preise nicht noch mehr erhöhen konnten, weil das Bier dann unbezahlbar geworden wäre“, sagt er. „Das war ein entscheidender Moment.“ Die Gastwirte hätten zum ersten Mal seit Jahren über ihre Profitmargen nachdenken müssen und sich dann den örtlichen Brauereien zugewandt.

Die Regierung fördert solche Trends in der Hoffnung, doch noch einen Vorteil aus dem rasanten Verfall des Rubels im vergangenen Jahr zu ziehen.

Von dem niedrigen Kurs profitierten in Russland unter anderem der Bausektor und die Ölbranche, die ihr Produkt zwar in Dollar verkauft, viele Kosten aber in Rubel bezahlt. Das milderte auch die Folgen des niedrigeren Ölpreises etwas ab.

Welche Firmen noch auf Russland setzen
Stada
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In Russland wuchs der Arzneimittelhersteller Stada im vergangenen Jahr um vier Prozent, allerdings in Rubel gerechnet. Durch den Wertverfall der Währung nahm der Umsatz in Euro gerechnet stark um 14 Prozent auf 360,7 Millionen Euro ab. Das Land ist aber nach wie vor der größte Auslandsmarkt. Stada-Chef Hartmut Retzlaff reist derzeit etwa fünf Mal pro Jahr nach Russland, „aus motivatorischen Gründen, um den Mitarbeitern zu zeigen, dass man an den Standort glaubt“, sagt er.

Bionorica
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Für den Naturarzneimittelhersteller Bionorica ist Russland der wichtigste Auslandsmarkt: Der steuert rund ein Drittel zu Geschäft bei und legte in den vergangenen Jahren stets zweistellig zu. Das ist auch 2014 nicht anders gewesen, allerdings nur in Absatz gerechnet. Der Umsatz sank wegen der Währungsumrechnungseffekte um etwa sieben Prozent auf 72 Millionen Euro. Bionorica-Chef Michael Popp hat den Verfall des Rubels nur zu einem Teil mit Preiserhöhungen aufgefangen: „Wir haben im Sinne des Patienten auf Umsatz verzichtet“, nennt Popp dieses Vorgehen.

Fresenius
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Der Gesundheitskonzern Fresenius hat im November angesichts der Osteuropa-Krise seine Pläne für ein Gemeinschaftsunternehmen in Russland aufgegeben. Geplant war ein Zusammenschluss des bestehenden Geschäfts der Ernährungs- und Infusionssparte Fresenius Kabi mit dem russischen Pharmaunternehmen Binnopharm. Den Unternehmen entstanden wegen des geplatzten Deals keine finanziellen Verpflichtungen. Zum Gesamtumsatz des Gesundheitskonzerns Fresenius trägt Russland weniger als ein Prozent bei.

Siemens
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Der Besuch bei Wladimir Putin vor gut einem Jahr hat Siemens-Chef Joe Kaeser viel Aufmerksamkeit, aber auch viel Kritik eingebracht – dem Geschäft geholfen hat er nicht. Die Umsätze seien etwa um die Hälfte eingebrochen, berichtete Kaeser kürzlich. Russland ist ein wichtiger Markt für den Infrastrukturanbieter, die Münchener bauen dort zum Beispiel Züge und Gasturbinen. „Russland bietet riesige Chancen, die man momentan nicht nutzen kann“, bedauerte Kaeser. Siemens wolle Know-how nach Russland geben und Produktion dort lokalisieren. „Aber diese Möglichkeit gibt es momentan nicht. Wir halten uns voll an alle Sanktionsvorgaben.“

Otto-Gruppe
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Im August 2013 kündigte die Otto-Gruppe noch neue Investitionen in Russland an. Eineinhalb Jahre später ist die Ernüchterung groß. Für das Unternehmen ist Russland zu einer Belastung geworden. Im abgelaufenen Geschäftsjahr ist der Umsatz um 25 Prozent gesunken. Bereinigt um Wechselkurseffekte bleibt ein Rückgang um nur vier Prozent. Und fest steht auch: Die Otto-Gruppe hat in Russland Geld verloren. Zwar hält Hans-Otto Schrader, Chef der Otto-Gruppe, eine Rezession in Russland für nicht vermeidbar. Aber: „Wir haben diesen Markt über sechs Jahre aufgebaut – und wir werden ganz vorne mit dabei sein, wenn sich die Lage bessert“, sagt er.

Hubert Burda Media
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Fragt man den Vorstandsvorsitzenden von Hubert Burda Media, Paul-Bernhard Kallen (Bild), ob sich sein Unternehmen angesichts der Wirtschaftskrise in Russland aus dem Land zurückziehen will, antwortet er: „Nein, wir nicht. Die Frage ist aber, ob man uns noch haben will.“ Offenbar will der russische Staat das nicht. Vergangenen Herbst unterzeichnete Präsident Wladimir Putin ein Gesetz, das vorsieht, den Anteil von Ausländern an russischen Medienunternehmen auf 20 Prozent zu beschränken. Besonders hart trifft dies Burda. In Verlagskreisen werden die Erlöse, die Burda in Russland und in der ebenfalls krisengeschüttelten Ukraine erzielt, auf gut 200 Millionen Euro geschätzt.

Bauer Media
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Bauer will sich angesichts der Debatte um das neue Mediengesetz zwar überhaupt nicht zum Russland-Engagement äußern. Für den Hamburger Verlag dürften die Märkte in den USA, Australien, England und Polen aber weitaus wichtiger sein als der Markt in Russland, wo das Zeitschriftenhaus ausweislich seiner russischen Website 25 Titel herausgibt.

Der Rubel schnitt gegenüber dem Dollar 2014 am zweitschlechtesten ab. In diesem Jahr gehört die Währung allerdings zu den erfolgreichsten. Während wahrer Panikverkäufe im Dezember gab es für einen Dollar fast 80 Rubel zu kaufen. Doch der Kurs erholte sich und stand Ende der vergangenen Woche bei 52,60 Rubel pro Dollar. Das ist aber ein Drittel weniger als im Januar 2014, so dass die russischen Hersteller immer noch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Importen verzeichnen.

Frisches Bier einer russischen Brauerei kostet derzeit in den Moskauer Bars zwischen 150 und 200 Rubel (2,75 und 3,70 Euro) pro halben Liter. Für die importierten Biere aus Deutschland und Belgien, die lange das Premium-Segment dominierten, muss der Gast dagegen rund 300 Rubel (5,50 Euro) bezahlen.

Die Nachfrage nach russischem Bier sei derzeit doppelt so groß wie das Angebot, schätzt Filippow. Wegen der teureren Hopfen-Importe habe er seine Preise im Dezember um zehn bis 15 Prozent anheben müssen. Diese Steigerung ist jedoch immer noch geringer als die der Konkurrenten aus dem Ausland.

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