Wal-Mart
Chronologie des Scheiterns

Wal-Mart ist zwar der weltgrößte Einzelhändler, hatte allerdings nur ein kurzes Gastspiel auf dem deutschen Handelsmarkt - die kurze Wal-Mart-Geschichte in Deutschland im Überblick.

1997/98: Wal-Mart kauft 21 Wertkauf SB-Warenhäuser und wenig später 74 Interspar-Märkte. Ron Tiarks, damals gerade 38 Jahre alt und der deutschen Sprache kaum mächtig, wird erster Deutschland-Chef. Tiarks legt los und senkt die Preise. Das "Walmartisieren" - im Hausjargon das Erobern eines neuen Marktes - fängt schon im Foyer der Deutschland-Zentrale in Wuppertal an. Über den Aufzugtüren lässt Tiarks ein Schild mit einem Zitat des Firmengründers Sam Walton anbringen. "Durch diese Tür schreiten normale Menschen, auf ihrem Weg Außergewöhnliches zu leisten."

1999/2000: In Dortmund präsentieren die Amerikaner stolz ihren ersten renovierten und modernisierten Laden und zelebrieren vor TV-Kameras fröhlich den Morning-Cheer. Mit der Preiskampagne "Rollback - Preise im Rückwärtsgang" zettelt Wal-Mart einen neuerlichen Preiskampf an. Gerüchte machen die Runde, dass Anteilseigner von Metro mit Wal-Mart über den Verkauf von Firmenanteilen gesprochen hätten. Allan Leighton, 47, wird Nachfolger von Tiarks. Nach nur neun Monaten wirft er die Brocken hin.

2001: Volker Barth, ein Mann aus der zweiten Reihe, übernimmt die Verantwortung. Logistikprobleme, Managementaderlass und hohe Millionen-Verluste scheinen ihn kalt zu lassen. Unbeirrt senkt er die Preise. Das Unternehmen wirbt mit über 1000 reduzierten Artikeln. Von den angekündigten 50 neuen Standorten ist nicht mehr die Rede. Ganze zwei Neueröffnungen schafft Wal-Mart binnen zwölf Monaten. Barth kann sich nur wenige Monate halten, dann übergibt er den Chefposten an den ehemaligen Lekkerland-Tobaccoland-Manager Kay Hafner.

2002: Erstmals muss das Management um Hafner betriebsbedingte Kündigungen aussprechen. Das Ziel, die Personalkosten auf unter zehn Prozent zu drücken, liegt in weiter Ferne. Um einige Standorte steht es so schlecht, dass Schließungen nicht mehr ausgeschlossen werden.

2003: In den 92 SB-Warenhäusern von Wal-Mart Germany drücken die hohen Kosten die Ergebnisse weiter nach unten. Deutschland-Statthalter Hafner verordnet einen Einstellungsstopp und weiteren Stellenabbau.

2004: Ein Gericht zwingt den Handelsriesen, erstmals Einzelabschlüsse zu veröffentlichen. Veröffentlichungen, die Einblick in die 1999er- und 2000er-Zahlen für vier der inzwischen 92 SB-Warenhäuser geben, bestätigen Branchen-Schätzungen, die von dreistelligen Millionen-Verlusten im Deutschland-Geschäft ausgehen.

2005: Mit reißerischen Überschriften fallen deutsche Medien über Wal-Mart her, nachdem bekannt geworden ist, dass sämtliche 11 000 deutschen Wal-Mart-Mitarbeiter eine Kurzform des "Statement of Ethics" in ihrer Lohn- und Gehaltsabrechnung vorgefunden hatten. Demnach sollen Mitarbeiter von Wal-Mart von Liebesbeziehungen zu Kollegen die Finger lassen - und Abtrünnige notfalls verpfeifen. Nach vier Jahren ist auch das Kapitel Hafner beendet. Ihm folgt für den letzten Akt der Brite David Wild.

2006: Wal-Mart konnte in der Vergangenheit die Insolvenz offenbar nur durch eine verlängerte Patronatserklärung der US-Mutter abwenden. Vor anderthalb Wochen teilt die Düsseldorfer Metro die Übernahme der noch verbliebenen 85 Wal-Mart-Häuser mit.

Quelle: Wirtschaftswoche

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