Wal-Mart
Mission impossible

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Selbst der Ausstieg war noch eine zähe Sache. Über ein Jahr lang dauerten die » Verhandlungen mit Metro - vor allem deshalb, weil die Amerikaner immer wieder nachrechnen mussten, welche Abschreibungen auf sie zukämen.

Metro-Chef Hans-Joachim Körber war dagegen nicht in Eile, Wal-Marts Verhandlungsposition wurde von Monat zu Monat schwächer. In der späten Nacht zum Donnerstag vor zehn Tagen setzten die Bevollmächtigten der Rechtsabteilung von Metro in Düsseldorf ihre Unterschriften unter den Vertrag.

Dass bei Körber dennoch keine Triumphgefühle aufkamen, mag daran gelegen haben, dass nun ein Berg von Arbeit auf ihn zukommt. Denn Real erholt sich selbst gerade von einer missglückten Werbekampagne ("Besorg's Dir doch einfach") und einem Fleischskandal. Einer der Gründe, warum auch Wal-Mart-Mitarbeiter nicht in Jubel ausbrechen. Nein, dass nun alles besser wird, sagt eine Angestellte im Ratinger Wal-Mart-Center, glaubt sie nicht: "Bei dem schlechten Image von Real."

Insider berichten, dass Real künftig stärker mit Media Markt und Saturn vernetzt werden soll. So werde sogar darüber nachgedacht, neben einigen Real- oder Wal-Mart-Standorten Filialen der Elektronikketten aufzuziehen, um die Umätze anzukurbeln, heißt es in Metro-Kreisen.

Solche Möglichkeiten hatte Wal-Mart nicht. Der Ausflug auf den größten europäischen Markt wird den Einzelhandelskonzern am Ende Milliarden gekostet haben. Er wird es verkraften. Denn Wal-Mart ist eine gigantische Verkaufsmaschine von kaum vorstellbarer Dimension, ein Konzern der Superlative: Mit 312 Milliarden Dollar Jahresumsatz macht Wal-Mart mehr Umsatz als die 30 größten deutschen Lebensmittelketten zusammen. Wal-Mart ist nicht nur der weltgrößte Einzelhändler, das zweitgrößte Unternehmen der Welt nach dem US-Ölkonzern Exxon, sondern auch mit 1,8 Millionen Mitarbeitern in seinen 6600 Läden der größte Arbeitgeber der Erde. Wäre Wal-Mart ein Land, würde es in der Rangliste der Bruttoinlandsprodukte zwischen Taiwan und der Schweiz auf Platz 18 rangieren. Mit einem Jahresgewinn von 11,2 Milliarden Dollar hat Wal-Mart 2005 so viel verdient, wie der größte deutsche Händler, die Metro, in den vergangenen zehn Jahren nicht.

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