Wal-Mart
Mission impossible

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Bis zur letzten Stunde galt für die Amerikaner die ernüchternde Tatsache: Über 80 Prozent der deutschen Bevölkerung haben keinen Wal-Mart-Laden in ihrer Nähe. Deutschen Einzelhandelsexperten zufolge muss ein Unternehmen im Lebensmittelhandel zur vollen Nutzung von Größenvorteilen ein Umsatzvolumen von knapp acht Milliarden Euro erreichen. Zuletzt lag der Wal-Mart-Umsatz in Deutschland bei mickrigen zwei Milliarden Euro. Damit rangierte Wal-Mart unter den deutschen Lebensmittelhändlern abgeschlagen auf Rang 15. Und hatte auch eine zu geringe Einkaufsmacht bei den Konsumgüterherstellern. Im Preiskampf ein tödlicher Nachteil.

Wäre nicht die US-Mutter aus Bentonville Jahr für Jahr für die Verluste aufgekommen, hätte Wal-Mart Deutschland schon längst Insolvenz anmelden müssen. Doch lange Zeit kannte kaum jemand das verheerende Zahlenwerk des deutschen Ablegers. Die Amerikaner weigerten sich strikt, Einblicke zu gewähren. Erst als 2004 das Amtsgericht Wuppertal auf Klage der Gewerkschaft Verdi Wal-Mart zwang, seine Bilanzen in Deutschland offenzulegen, zeigte sich das Ausmaß des Desasters. Nachträglich tauchten im Bundesanzeiger ältere Bilanzen auf, die letzte stammt aus dem Jahr 2003. Darin weist Wal-Mart Deutschland bei einem Umsatz von rund 2,5 Milliarden Euro ein Ergebnis von minus 487 Millionen Euro aus und einen Bilanzverlust von 528 Millionen Euro. Das Eigenkapital und die Rücklagen waren aufgebraucht. Offenbar konnte eine Insolvenz nur durch eine im Dezember 2005 verlängerte Patronatserklärung abgewendet werden.

Das Scheitern in Deutschland und Südkorea belegt: So global wie oft dargestellt sind die Amerikaner nicht. Größe, Marktmacht und eine klare Nummer-eins-Position hat Wal-Mart einzig und allein im Heimatland. In Sachen Internationalität sind die US-Boys im Vergleich zu Händlern wie Tesco, Metro, Ahold oder Carrefour wahre Leichtgewichte. Während die Metro mittlerweile in 30 Ländern rund um den Globus aktiv ist, bringt es Wal-Mart nur noch auf 13 Auslandsmärkte in Eigenregie und über Beteiligungen. Metro erlöst schon jeden zweiten Euro im Ausland, Wal-Mart nur jeden fünften Dollar.

Schon der Rückzug aus Südkorea dürfte ein intensives Nachdenken in Gang gebracht haben. Ähnlich wie in Deutschland übernahm Wal-Mart dort zweitklassige Handelsimmobilien und kündigte eine massive Expansion an.

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