Wal-Mart
Mission impossible

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Jüngere und etwas besser situierte Amerikaner zieht es eher dorthin als zum Marktführer mit seinem bewusst geförderten Billig-Image. Gleiches gilt im Lebensmittelhandel für den Einzelhändler Kroger aus Cincinnati in Ohio, der mit seinen 2500 Supermärkten, vielen Eigenmarken und ebenfalls einem besseren Image als Wal-Mart in den vergangenen Quartalen deutlich höhere Umsatzzuwächse aufweisen kann.

Als Anti-Wal-Mart wird die Kette Costco gefeiert. Erst vor 23 Jahren in Seattle gegründet, betreibt das Unternehmen mittlerweile mehr als 350 Discount-Läden in den USA. In diesem Jahr werden rund 55 Milliarden Dollar Umsatz erwartet - rund doppelt so viel wie vor sieben Jahren.

Der Anti-Wal-Mart ist Costco deshalb, weil Gründer und Vorstandschef Jim Sinegal beweisen will, dass der Handel nicht nur dank Niedrigstlöhnen funktioniert. Costco zahlt im Schnitt mehr als 40 Prozent höhere Löhne als Sam's Club, die vergleichbare Kette von Wal-Mart. Fast alle Costco-Mitarbeiter sind krankenversichert und das Unternehmen beteiligt sich vergleichsweise spendabel an einer Art betrieblicher Altersvorsorge.

Wall-Street-Analysten war die Großzügigkeit von Costco zwar lange ein Dorn im Auge. Es sei besser, dort ein Angestellter oder ein Kunde zu sein als ein Aktionär, lästerten sie. Doch während der Weltprimus in den vergangenen drei Jahren knapp ein Drittel seines Börsenwerts einbüßte, konnten sich Costco-Aktionäre fast über eine Verdopplung des Kurses freuen.

Das Hauptproblem von Wal-Mart in den USA: Das Image des Giganten hat zuletzt heftig gelitten. Der größte Arbeitgeber der USA musste sich den Vorwurf gefallen lassen, er beute seine Mitarbeiter aus. Mit allen Mitteln wehrt sich das Unternehmen dagegen, den Gewerkschaften Einfluss an Standorten zuzugestehen. Bildet sich eine Gewerkschaftszelle, wird an diesem Ort wieder dichtgemacht.

Der schlechte Ruf schlägt auf das Geschäft durch: Umsatzzuwächse in den Wal-Marts liegen unter denen der meisten Konkurrenten. Einige Analysten befürchten bereits, dass der Konzern bald einen Umsatzrückgang verkraften muss. Dazu könnte auch beitragen, dass Wal-Mart angekündigt hat, bis Mitte des nächsten Jahres rund 1800 seiner Läden einer grundlegenden Renovierung zu unterziehen. Einkaufen auf einer Baustelle - das wird den Absatz sicher nicht fördern.

Doch neue Böden, breitere Gänge, nettere Kundentoiletten, die bisher den Charme von Klos in alten Sportstadien versprühten, das alles soll "das Kundenerlebnis in unseren Läden und Clubs weltweit stärken", sagt CEO Scott. "Wir arbeiten hart daran, den Geschmack unserer Kunden zu verstehen und anzusprechen."

Wenn Scott plötzlich noch nicht mal mehr die Kunden in den USA versteht, wie sollte es dann in Deutschland, Südkorea oder sonstwo klappen?

Quelle: Wirtschaftswoche

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