Wal-Mart
Mission impossible

Der weltgrößte Einzelhändler wankt. Wal-Mart ist in Deutschland gescheitert, was dem Unternehmen die jüngste Quartalsbilanz verhagelt hat. Nun steht die gesamte Expansionsstrategie auf dem Prüfstand. Und selbst die Heimatbastion in den USA bröckelt.
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NEW YORK/TOKIO. Niedrigpreis. Dauerhaft Niedrigpreis. Noch billiger. Niedrigpreis nochmals gesenkt. Jetzt billiger - für jedes Produkt vom Salatkopf bis zur Herrensocke ein neuer Superlativ in grellbunten Farben. Welcher Kunde blickt da noch durch? Die großflächige Informationstafel am Eingang des Wal-Mart Supercenters in Ratingen bei Düsseldorf offenbart die ganze Misere, die den weltgrößten Einzelhändler bei seinem Abenteuer in Deutschland geplagt hat.

Die ganze Misere? Hinten im Laden fallen die vielen Lücken in den Regalen auf. An diesem Donnerstagmorgen fehlen gut 15 verschiede Joghurts und Desserts unterschiedlicher Hersteller, mehrere Saftsorten und auch etliche Konserven. Kein Einzelfall, wie Branchenkenner berichten.

Dabei macht der Markt hier in Ratingen durchaus etwas her. Er ist hell, sauber, aufgeräumt und hat eine passable Lage in Stadtnähe. Und vor allem: Der Laden ist im Frühjahr für ein paar Millionen Euro komplett umgebaut und renoviert worden. So ziert jetzt ein dunkelbrauner Holzfußboden die Textil- und Schuhabteilung - die aber viel zu groß geraten ist.

Verkaufsfläche, die etwa im Getränkemarkt fehlt. "Schade, dass ich beim Umbau nicht mehr Platz bekommen habe", sagt ein Mitarbeiter der Getränkeabteilung.

Den Platz bekommt er vielleicht. Denn wie alle hiesigen Wal-Mart-Märkte gehört auch dieser demnächst zu Metro und wird der SB-Warenhauskette Real einverleibt. Wal-Mart in Deutschland ist Vergangenheit. In schöner Regelmäßigkeit holen sich ausländische Handelsunternehmen durch Unkenntnis, Selbstüberschätzung oder konzeptionelle Starrsinnigkeit auf dem deutschen Markt eine blutige Nase. Nach Kingfisher, Marks & Spencer, Gap und Intermarché ist Wal-Mart nun das prominenteste Opfer.

Schluss, aus und vorbei: Nach achteinhalb Jahren Missmanagement, fünf verschlissenen Deutschland-Chefs und geschätzten jährlichen Verlusten in dreistelliger Millionenhöhe beendet Wal-Mart das grausame Kapitel "Germany" und verkauft seine 85 SB-Warenhäuser an den Düsseldorfer Konkurrenten Metro, der die Filialen bis 2008 in das Vertriebsnetz seiner Discount-Kette Real überführen will.

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