Wal-Mart zieht sich zurück
Real wird neue Nummer Eins

Richtig warm geworden ist Wal-Mart in Deutschland nie. Nachdem sich der amerikanische Einzelhandelsriese nach acht glücklosen Jahren aus dem deutschen Markt zurückzieht und alle Filialen an den Metro-Konzern verkauft, kann sich nun die Metrotochter Real die Hände reiben.

HB DÜSSELDORF. Der Metro-Konzern übernimmt die 85 deutschen Filialen von Wal-Mart und baut damit seine Position auf dem Heimatmarkt deutlich aus. Denn die Fililalen werden in das Real-Netz integriert. Die zu Metro gehörenden Real-Supermärkte übernehmen damit in Deutschland die Marktführerschaft im SB-Warenhaussegment, sagte Metro-Vorstandschef Hans-Joachim Körber am Freitag. Die Börse reagierte hocherfreut: Der Kurs der Metro-Aktie stieg um rund drei Prozent.

Der US-Handelsriese Wal-Mart zieht sich dagegen nach acht verlustreichen Jahren aus Deutschland zurück. Über den Kaufpreis wurde nach Angaben von Metro-Chef Körber auf Wunsch von Wal Mart Stillschweigen vereinbart. Der US-Konzern kündigte allerdings eine Verlustabschreibung von rund 1 Milliarde Dollar (über 788 Mill. Euro) im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2007 an. Für die Metro bringt der Kauf dagegen sogar einen Gewinn: Der Wert der mitübernommenen 19 Immobilien, darunter vor allem die großen ehemaligen Wertkauf-Einkaufszentren, übersteige den Kaufpreis so deutlich, dass selbst nach nötigen Umstrukturierungen noch ein positiver Millionenbetrag übrig bleibe, sagte Körber. Das werde im Geschäftsjahr 2006 zu einem Einmalertrag führen. Die Übernahme muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden.

Für Metro bedeute der Kauf eine „ideale Ergänzung des bestehenden Standortnetzes“ der Real-Geschäfte, betonte Körber. Er sei ein wichtiger Schritt in der Repositionierung von Real. Das Ziel, bis 2008 wieder die alte Stärke erreicht zu haben, bleibe unverändert. Die Kette mit mehr als 550 SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkten mit Schwerpunkt auf dem Lebensmittelsektor war 2005 nach einem Skandal um überaltertes und umetikettiertes Hackfleisch in die roten Zahlen gerutscht. Danach war der Real-Geschäftsführer durch Metro-Vorstandsmitglied Stefan Feuerstein abgelöst worden, der vorübergehend die Leitung von Real mit übernahm. Dessen Arbeit soll nun durch einen neuen Vorsitzenden der Real-Geschäftsführung fortgesetzt werden, teilte Körber mit.

Die Transaktion versteht METRO als klares Bekenntnis zu Real. Die Real- und Extra-Märkte hatten METRO im vergangenen Jahr die Bilanz verhagelt und den Konzern zu einer Reduzierung seiner Prognosen für 2005 veranlasst. Auch im ersten Quartal 2006 schrieb die Sparte einen Verlust von 40 Mill. Euro, der Umsatz sank um sechs Prozent. Am Markt wurde deshalb spekuliert, ob sich der Konzern von Real trennt. METRO-Chef Hans-Joachim Körber hatte dies allerdings stets zurückgewiesen und für 2006 wieder positive Zahlen bei Real angekündigt.

Neuer Chef der Real-Vertriebslinie wird der bisherige Geschäftsführer der T-Punkt-Ladenkette der Telekom, Andreas Riedel. Wie die Metro-Gruppe zugleich mitteilte, scheidet Feuerstein „in freundschaftlichem Einvernehmen“ aus den Diensten der Metro aus.

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