Warenhaus-Konzern
Karstadt will sich stärker auf Standorte einstellen

Am Montag tritt Eva-Lotta Sjöstedt den Posten als Karstadt-Chefin an. Ihre dringlichste Aufgabe: Den Konzern wieder profitabel machen. Nun will die Ex-Ikea-Managerin Schluss mit dem „Einheitsbrei“ machen.
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BerlinVon deutschen Innenstädten hat Eva-Lotta Sjöstedt in den vergangenen Monaten schon so einiges gesehen. 47 Karstadt-Filialen besuchte die künftige Chefin des Warenhaus-Konzerns bereits – und war von der Umgebung nicht immer begeistert. „Überall dieselben Geschäfte, man weiß manchmal nicht mal mehr, in welcher Stadt man ist“, urteilt Sjöstedt. Diesen „Einheitsbrei im Einzelhandel“ seien viele Menschen leid. Karstadt wolle sich stärker auf die einzelnen Standorte und deren Besonderheiten einstellen – keine leichte und beileibe nicht die einzige Aufgabe für die neue Karstadt-Chefin, die am Montag offiziell ihren Job antritt.

Sjöstedt übernimmt ein Unternehmen, das sich viereinhalb Jahre nach der Insolvenz von Arcandor – ehemals KarstadtQuelle – und dreieinhalb Jahre nach der Übernahme durch Investor Nicolas Berggruen weiterhin in einer schwierigen Lage befindet. Berggruen sagte kürzlich der „Süddeutschen Zeitung“: „Die Häuser, die wir saniert haben, funktionieren nicht besser als die, die wir nicht saniert haben.“ Es sei bisher nicht gelungen, „die richtige Formel“ zu finden.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Stephan Fanderl erklärte Ende Januar in der „Welt“, auch in diesem Jahr seien bei Karstadt keine Gewinne zu erwarten. Und er stellte klare Anforderungen an die künftige Vorstandsvorsitzende: Es gehöre zu Sjöstedts „vordringlichen Aufgaben“, schnell eine Perspektive dafür zu entwickeln, „wie die Karstadt-Warenhäuser wieder profitabel gemacht werden können“. Wichtig sei dabei, die Kundenbindung zu stärken und neue Kundengruppen anzusprechen. Zugleich mahnte der Aufsichtsratschef eine Profilschärfung an. Karstadt müsse unverwechselbar werden.

Sjöstedt nimmt die Herausforderung an. „Wir sind in der einzigartigen Lage, Karstadt im ganzen Land erfolgreicher zu machen, indem wir uns jeweils vor Ort relevanter machen. Näher an den Kunden, dem Viertel der Stadt.“ Der Konzern soll auf das eingehen, „was den Menschen dort wichtig ist, was sie beschäftigt, was sie inspiriert“.

Die neue Vorstandschefin, die auf Andrew Jennings folgt, hat zuletzt beim schwedischen Möbelhauskonzern Ikea gearbeitet. Dort war sie unter anderem dafür verantwortlich, den Verkauf über die Filialen weltweit und über das Internet zu organisieren. Vorher leitete sie mehrmals nationale Ikea-Gesellschaften, unter anderem in Japan und den Niederlanden. Der Einzelhandel ist schon lange Sjöstedts Welt. Nach einem Karrierestart als Modedesignerin war sie nach Karstadt-Angaben als Mode-Einkäuferin für verschiedene Einzelhändler unter anderem in Asien tätig.

Nun also Deutschland. Bei ihrer Tour durch Land hat Sjöstedt nach eigenen Angaben festgestellt, „wie viele tolle Mitarbeiter wir in den Filialen und im Service Center haben“. Zu ihrem neuen Job gehört allerdings auch, sich mit dem hiesigen Arbeitsrecht und dem Gewerkschaftsriesen Verdi bekannt zu machen. Mit Verdi diskutiert Karstadt über Standort- und Beschäftigungsgarantien, zudem wollen die Arbeitnehmer die Rückkehr in die Flächentarifverträge durchsetzen. Das könnte den Konzern einiges kosten.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Der richtige Weg ist Förderung der Mitarbeiter und für die Verluste die Manager und Führungskräfte persönlich heran zu ziehen = Sie müssen die Verluste tragen/ersetzen, da sie persönlich dafür verantwortlich sind!

  • " „Überall dieselben Geschäfte, man weiß manchmal nicht mal mehr, in welcher Stadt man ist“, - GRATULIERE, Madame. Der Blick von außen. Man geht in der Tat verblödet durch die Straßen und die meisten Leute gaffen (vielleicht deswegen aber wohl kaum nur deshalb) immer mehr auf ihr Smartphone, die neue Krankheit moderner Gesellschaft. Da muss Madame also wirklich originell sein, um die muffigen, nicht mal mehr aufmüpfigen, raunzenden Deutschen zufrieden ja glücklich zu stellen.C. F. von Weizsäcker sagte 1983, daß sein Buch, welches er als sein letztes “großes Werk” bezeichnete, mit Sicherheit von der Bevölkerung nicht verstanden würde, und die Dinge somit ihren Lauf nehmen! Und er bewertete das deutsche Volk wenig schmeichelhaft wie folgt: absolut obrigkeitshörig, des Denkens entwöhnt, typischer Befehlsempfänger, ein Held vor dem Feind, aber ein totaler Mangel an Zivilcourage!

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