Warenhauskette eröffnet neue Filiale
Hertie wächst in der Insolvenz

Zum ersten Mal seit dem Verkauf durch Karstadt-Quelle vor drei Jahren erobert die Warenhauskette Hertie eine neue Stadt in Deutschland – und das, obwohl der Filialist Ende Juli seine Zahlungsunfähigkeit erklärt hat.

ESSEN. „Spätestens am 27. November werden wir ein Kaufhaus in Straubing eröffnen“, kündigte Insolvenzverwalter Biner Bähr im Gespräch mit dem Handelsblatt an. Den für ein insolventes Unternehmen ungewöhnlichen Schritt begründet der Düsseldorfer Anwalt damit, dass die Expansion die Aussichten der Gläubiger auf eine hohe Insolvenzquote verbessern dürfte. Die 3500 Quadratmeter große Neubaufläche in Straubing liege attraktiv in einem Einkaufszentrum, die niederbayerische Kreisstadt sei zudem ein beliebter Einkaufsort mit hoher Kaufkraft. Darüber hinaus vereinbarte der Insolvenzverwalter mit dem Vermieter Theresien Center, dass für Hertie mit der Eröffnung keine zusätzlichen Investitionen verbunden sein werden.

Mit der überraschenden Expansion macht Bähr deutlich, wie die Zukunft der angeschlagenen Warenhauskette aussieht. „Wir denken nicht an Zerschlagung“, sagte der Insolvenzverwalter am Donnerstag mit Nachdruck.

Schon seit dem Verkauf im September 2005 schreibt der Filialist bei gut 500 Mill. Euro Jahresumsatz tiefrote Zahlen. Damals war er unter dem Namen „Karstadt kompakt“ von Karstadt-Quelle an den britischen Finanzinvestor Dawnay Day und die Londoner Unternehmensberatung Hilco verkauft worden.

Die später in „Hertie“ umbenannten Warenhäuser blieben jedoch chancenlos. Schuld waren überhöhte Mietforderungen des Finanzinvestors Dawnay Day, der bei der Übernahme die Immobilien von der Betreibergesellschaft abgetrennt hatte. Als die Briten Anfang Juli selbst in finanzielle Schieflage gerieten, verloren sie die Kraft, Hertie weiter über Wasser zu halten. Am 31. Juli setzte das Essener Amtsgericht den White&Case-Anwalt Bähr als vorläufigen Insolvenzverwalter ein.

Der zeigt sich nun optimistisch, das Unternehmen retten zu können. „97 Prozent unserer Lieferanten sind wieder an Bord“, verkündete er am Donnerstag. Auch die wichtigen Modefirmen Katag und Esprit seien darunter. Dass viele von ihnen dem insolventen Einzelhändler bei den Lieferkonditionen freiwillig entgegengekommen seien, verwundert Beobachter nicht. „Viele Hertie-Lieferanten sind zusätzlich durch die Pleiten von Sinn-Leffers und Wehmeyer gebeutelt“, berichtet ein Modegroßhändler. Entsprechend seien einige durchaus zu Kompromissen bereit.

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