Warenhauskette: Hoffnungsschimmer für Karstadt

Warenhauskette
Hoffnungsschimmer für Karstadt

Zu Jahresbeginn ist der Umsatz von Karstadt gestiegen – Finanzchef Müllenbach ist optimistisch. Auch die Sparprogramme zeigten erste Wirkungen. Wirtschaftsprüfer der KPMG sollen da ganz anderer Meinung sein.
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DüsseldorfBeim angeschlagenen Warenhausriesen Karstadt gibt es Finanzchef Miguel Müllenbach zufolge erste Hoffnungsschimmer. Er sehe „ermutigende Zeichen für eine Verbesserung der Situation“, erklärte Müllenbach am Donnerstag. Der Umsatz habe zu Jahresbeginn insgesamt zugelegt, zugleich griffen Sparprogramme. Er reagierte damit auch auf einen Bericht des „Manager Magazin“, in dem es heißt, Karstadt sei laut Wirtschaftsprüfern der KPMG unter bestimmten Bedingungen „im Bestand gefährdet“. Ein KPMG-Sprecher wollte sich nicht äußern.

Der Gesamtumsatz sei im Januar und Februar um 2,2 Prozent gestiegen, erklärte Müllenbach weiter. Zudem habe Karstadt in den ersten fünf Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2013/14 Einsparungen in einer Höhe von 15 Millionen Euro erzielt. Insgesamt seien im Geschäftsjahr Einsparungen zwischen 30 und 40 Millionen Euro erreichbar. Das „Manager Magazin“ berichtete, Wirtschaftsprüfer hätten Karstadt in ihrer ersten Fassung des Prüfberichts für das abgelaufene Geschäftsjahr bescheinigt, die Gesellschaft sei „in ihrem Bestand gefährdet“, falls die Maßnahmen der Geschäftsführung „nicht greifen“ und zudem „noch nicht bekannte Ereignisse eintreten“.

Müllenbach betonte, Karstadt habe in der Entwurfsfassung für den Geschäftsbericht 2012/13 einen „uneingeschränkten Bestätigungsvermerk bekommen“. Dabei habe die Geschäftsführung „selbstverständlich“ Risiken diskutiert, deren Beschreibung sei Bestandteil eines jeden Geschäftsabschlussberichts. „Der Prozess zur Erstellung des Jahresabschlusses ist noch nicht abgeschlossen“, betonte er. Karstadt erwarte auch für die finale Fassung uneingeschränkte Bestätigung.

Karstadt hat Branchenkreisen zufolge auch im Geschäftsjahr 2012/13 einen deutlichen Verlust geschrieben. Aufsichtsratschef Stephan Fanderl hatte eingeräumt, auch 2014 werde Karstadt „noch nicht profitabel“ sein. Bereits im Geschäftsjahr 2011/12 wies Karstadt tiefrote Zahlen aus. Der Verlust im gewöhnlichen Geschäft belief sich nach im Bundesanzeiger veröffentlichten Zahlen auf 30 Millionen Euro. Unter dem Strich wies Karstadt für 2011/12 mit damals 84 Warenhäusern einen Fehlbetrag von 158 Millionen Euro aus. Aber auch die Premiumhäuser um das Berliner KaDeWe erwirtschafteten einen Verlust.

Die seit Ende Februar amtierende neue Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt muss den Traditionskonzern nun zügig auf Kurs bringen. „Ich möchte wiederholen und betonen: Es geht uns darum, Karstadt als Ganzes profitabel zu machen“, erklärte Sjöstedt am Donnerstag. „Und ich glaube daran, dass wir alle zusammen es schaffen können“, fügte sie hinzu. Seit ihrem Amtsantritt habe sie eine „unglaubliche Aufbruchsstimmung“ erlebt.

Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen hatte sich bereits vor Sjöstedts Amtsantritt von der Mehrheit an zwei Filetstücken des Konzerns getrennt. Der österreichische Investor Rene Benko hatte die Mehrheit am operativen Geschäft von Karstadt Sports und der Premium Group übernommen - in ihr sind die Luxuswarenhäuser rund um das KaDeWe gebündelt.

Benko besitzt zudem zahlreiche Karstadt-Immobilien. Berggruen hat nunmehr nur noch die Mehrheit am traditionellen Warenhausgeschäft. Die Aufspaltung hatte in der Belegschaft Sorgen befeuert, Karstadt könnte endgültig zerschlagen und mit der Metro -Tochter Kaufhof verschmolzen werden. Benko hatte schon erfolglos bei Metro wegen einer Kaufhof-Übernahme angeklopft.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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