Warenhauskette meldet Insolvenz an
Dawnay Day reißt Hertie mit

Die Warenhauskette Hertie hat wegen Zahlungsunfähigkeit beim Amtsgericht Essen einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Dies teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Damit hat die seit Jahren schwelende Krise im Einzelhandel ein weiteres Opfer gefunden. Erst vor vier Wochen hatte die Textilkette Wehmeyer Insolvenz angemeldet.

HB ESSEN. Die Finanzprobleme des britischen Haupteigentümers Dawnay Day brachten Hertie in Schieflage. Zuvor seien Gespräche zur finanziellen Restrukturierung bzw. einer Zwischenfinanzierung gescheitert. Der Betrieb werde vorerst aber fortgesetzt, erklärte die Geschäftsführung. Zusammen mit dem Insolvenzverwalter würden alle 72 Standorte auf ihre Rentabilität untersucht, hieß es. Bisher war stets von 73 Filialen die Rede.

Gesamtbetriebsrat, Mitarbeiter und Lieferanten stünden voll hinter Hertie und glaubten an eine Chance "für den größtmöglichen Erhalt der vielen Arbeitsplätze", erklärte Finanzchef Mark Rahman. Die Insolvenzordnung biete zahlreiche Möglichkeiten, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und eine gute Ausgangslage für einen nachhaltigen Turnaround zu schaffen. Hertie beschäftigt nach bisherigen Angaben rund 4100 Menschen.

Das Finanzhaus Dawnay Day und die britische Unternehmensberatung Hilco hatten die Warenhäuser einschließlich der Grundstücke 2005 vom damaligen Karstadt-Quelle-Konzern für 500 Mill. Euro gekauft und später in Hertie umbenannt. Dawnay Day hält derzeit 85 Prozent an Hertie, Hilco 15 Prozent. Die Kette schreibt nach Branchenangaben konstant rote Zahlen, im laufenden Geschäftsjahr sollen es 30 Mill. Euro Minus sein. Die Investoren hatten die Verluste bisher ausgeglichen. Anfang Juli bekam Dawnay Day als Folge der Finanzmarktkrise aber selbst Probleme.

Minderheitseigner Hilco erklärte, Dawnay Day stehe ebenso unter Zwangsverwaltung wie deren Tochter Starlight, der die Kaufhäuser gehören. „Die Verwalter dieser Gesellschaften haben ihre Absicht bekundet, Investments zu verkaufen statt weiter zu investieren und damit die Sanierung von Hertie zu unterstützen“, hieß es in der Mitteilung. Hilco kritisierte scharf, dass Dawnay Day das Hertie-Management und die Miteigentümer nicht rechtzeitig gewarnt habe. Die Briten gaben keine Stellungnahme ab.

Für den Fortbetrieb von Hertie seien Kredite nötig, hieß es aus Finanzkreisen. Über Sicherungen dafür werde intensiv verhandelt. Eine Möglichkeit stelle eine Landesbürgschaft dar, hieß es. Der Sprecher des NRW-Wirtschaftsministeriums, Joachim Neuser, machte dazu keine näheren Angaben. "Wir sind mit dem Unternehmen seit Tagen im Gespräch und werden einen möglichen Konsolidierungskurs konstruktiv begleiten", sagte er nur.

Als weiterer Ausweg wird der Hertie-Immobilienbesitz genannt, der in einer eigenen Gesellschaft von der Warenhauskette abgespalten ist. Einem Verkauf oder einer Beleihung der Grundstücke müssten aber die Eigentümer zustimmen. Dies wird angesichts der eigenen Probleme von Dawnay Day als unwahrscheinlich angesehen.

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