Warenhauskonzern
Kaufhof kämpft um seinen Ruf

Die Kürzung der Kreditlinien durch den Versicherer Euler Hermes hat die Kaufhof-Lieferanten schockiert. In einem Brief beruhigt der Geschäftsführer jetzt die Partner – doch dem Konzern läuft die Zeit davon.
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DüsseldorfEs ist ein eindringlicher Appell. „Wir sind und bleiben ein verlässlicher Partner für Sie“, schreibt Edo Beukema, Einkaufsgeschäftsführer von Galeria Kaufhof in einem Brief, den er am Donnerstagabend an seine Zulieferer verschickt hat. „Und selbstverständlich werden wir auch in Zukunft unseren finanziellen Verpflichtungen pünktlich nachkommen“, versichert er den Geschäftspartnern.

Eigentlich müsste es normal sein, dass ein großer Warenhauskonzern seine Zahlungsverpflichtungen einhält. Doch bei Kaufhof ist zurzeit gar nichts normal. Seit der wichtigste deutsche Warenkreditversicherer Euler Hermes den Zulieferern mit Verweis auf die Geschäftszahlen von Kaufhof die Kreditzusagen gekürzt hat, herrscht in der Kölner Kaufhof-Zentrale Ausnahmezustand. Denn das heißt im Klartext: Euler Hermes zweifelt an der Zahlungsfähigkeit des Unternehmens.

Deswegen versucht Beukema nun in seinem Brief, der dem Handelsblatt vorliegt, alle Zweifel zu zerstreuen. Die kanadische Kaufhof-Muttergesellschaft Hudson’s Bay Company (HBC) könne auf „eine globale Betriebsmittelkreditlinie in Höhe von US$ 2,25 Mrd“ zurückgreifen und besitze zudem ein „beträchtliches Immobilienvermögen“, so Beukema. „HBC ist solide finanziert und verfügt über ausreichend Liquidität“, versichert der Kaufhof-Geschäftsführer.

Doch die Verunsicherung ist groß. „Wenn die Ampel auf Gelb springt, sollte man sich genau überlegen, ob man auf die Bremse tritt oder Gas gibt“, sagt ein Geschäftsführer eines Kaufhof-Lieferanten, der nicht genannt werden will. Doch viele Zulieferer seien im Dilemma: Sie könnten auf einen Abnehmer wie Kaufhof gar nicht verzichten, weil sie das große Absatzvolumen brauchen. Wenn sie aber zu den bisherigen Konditionen weiter liefern, wäre ihr Risiko bei einem Zahlungsausfall enorm.

Die Zulieferer wurden von der Entscheidung von Euler Hermes kalt erwischt. In der vergangenen Woche teilte er ihnen ohne Vorwarnung mit, dass die Versicherungssummen für Lieferungen an Kaufhof um teilweise bis zu 80 Prozent reduziert wurden. Die Entscheidung basiere auf „der Bewertung uns vorliegender Geschäftszahlen“, heißt es in dem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt. „Die Ergebnisse unserer Analysen lassen keine andere Entscheidung zu“, heißt es weiter. Auch andere Kreditversicherer überprüfen nun in der Folge ihre Garantiesummen.

In der Tat sehen die Geschäftszahlen von Kaufhof und HBC zurzeit alles andere als rosig aus. Auf 221 Millionen Euro verdoppelt hat sich der Verlust von HBC im ersten Quartal. Und die 115 Häuser in Deutschland und Belgien haben ebenfalls Probleme und sind im vergangenen Jahr in die roten Zahlen gerutscht. Auch der Umsatz ist deutlich zurückgegangen.

Doch das geht den meisten Unternehmen in der Branche ähnlich. „Euler Hermes fährt sein Engagement im Textilhandel insgesamt zurück, weil in der ganzen Branche die Profitabilität abgenommen hat und damit das Insolvenzrisiko gestiegen ist“, beobachtet Joachim Stumpf, Geschäftsführer der BBE Handelsberatung aus München. Das bestätigt auch Euler Hermes in einer Studie vom Juni. Im Handel habe die Insolvenzquote 2016 um Zweidrittel zugelegt, heißt es da. Insbesondere der Modehandel stehe vor großen Herausforderungen.

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