Warenhauskrise
Metros Ladenhüter-Problem

Metro geht es bescheiden, daran ist auch Kaufhof nicht ganz unschuldig – das Geschäft mit den Warenhäusern läuft nicht. Metro sucht händeringend nach einem Käufer, findet aber keinen. Kein Wunder.
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DüsseldorfWenn draußen nicht das orangene „Total-Ausverkauf“-Schild hängen würde, wäre der Kaufhof in Düsseldorf nicht von den anderen Warenhäusern der Gruppe zu unterscheiden. Vereinzelt stehen Kunden an den heruntergesetzten Schuhregalen oder in der Parfumabteilung, ein Paar streitet im Untergeschoss über den richtigen Koffer. Es sieht aus wie in fast jedem Warenhaus in Deutschland heutzutage. Die Regale sind voll, die Gänge sind leer – trotz des Versprechens auf 60 Prozent Rabatt an der Tür.

Das Beispiel der schließenden Galeria-Kaufhof-Filiale in Düsseldorf steht sinnbildlich für das Desinteresse an Warenhäusern. Der riesigen Geschäfte mit oft tausenden Quadratmeter Fläche und genauso vielen Artikeln im Angebot haben ausgedient – das zeigen nicht nur die Halbjahreszahlen der Kaufhof-Mutter Metro am Donnerstag.

Demnach ging der Gewinn von Galeria Kaufhof weiter zurück. Der Überschuss vor Zinsen und Steuern lag in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres mit 179 Millionen Euro fast zehn Prozent unter dem Vorjahreswert. Vor Sonderfaktoren waren es sogar 16 Prozent. Der Umsatz stieg nur minimal um 0,3 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Die Zeichen stehen nicht gut für die Warenhauskette.

Kaufhof steht jedoch nicht allein da. Auch den Konkurrenten geht es schlecht – berühmtestes Beispiel derzeit: Karstadt. Erst Anfang Juli schmiss Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt die Brocken hin, die Lage beim Konzern ist schwierig. Einen Zusammenlegung mit Kaufhof erscheint jedoch unwahrscheinlich – erst Anfang Juli hatte Metro-Chef Olaf Koch gesagt, dass er kein Interesse an einer Warenhaus AG habe.

Die guten Zeiten der Warenhäuser sind wohl vorbei. Früher waren die Karstadts und Kaufhofs (einst auch noch Hertie und Horten) die Mittelpunkte der deutschen Innenstädte, zogen zahlreiche Kunden an. Doch das Geschäftsmodell hat sich überholt. Der Umsatz von Galeria Kaufhof sank seit der Jahrtausendwende von 3,94 Milliarden auf 3,08 Milliarden Euro – ein Minus von rund einem Fünftel. Bei Karstadt ist der Rückgang sogar noch drastischer. Dort verringerte sich der Umsatz von 7,6 auf rund 2,9 Milliarden Euro. Das bedeutet Verluste von rund 60 Prozent.

Mit einem Werbespruch wie „Kaufhof bietet tausendfach alles unter einem Dach“, wie ihn einst Galeria Kaufhof in den 1980er Jahren verwendete, ist heute nichts mehr zu holen, erklärte jüngst der Handelsexperte Thomas Roeb im Interview mit Handelsblatt Online. „Es macht dem Kunden nichts aus, von Geschäft zu Geschäft zu ziehen“, sagte Roeb. Dazu kommt noch die Konkurrenz aus dem Onlinegeschäft. Aber dort kann sich Kaufhof immerhin etwas besser behaupten: In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres stieg der Umsatz der Onlineportale um mehr als 70 Prozent auf 51 Millionen Euro. Im Vergleich zu den Zahlen aus dem Einzelhandel sind das aber nur Peanuts.

Kommentare zu " Warenhauskrise: Metros Ladenhüter-Problem"

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  • gebe ich Ihnen recht, wenn Sie weiter den Preis als Non plus Ultra ansehen.
    Ein Einkauferlebnis ist genau das was das 2Sterne Hotel vom 4 Sterne Hotel unterscheidet. Und jetzt darf ich raten wo Sie absteigen.

  • Richtig, da sollten Sie auch bleiben, da der türkische Gemüsehändler sein Fixkosten und folgedessen sein Preise wesentlich geringer halten kann, als die Metro. Dazu kommt noch, daß er auch lediglich B-Ware auf dem Großmarkt kauft, die qualitativ schlechter ist.
    Sie wollen aber als Schnäppchenjäger immer noch günstiger etwas haben und irgendwann kann da auch der Gemüsehändler nicht mehr mithalten

  • mit diesem kleinkarieten Unsinn der hier verbreitet wird
    kann man keine Kaufhauskette retten, eine Idee aus dem
    19ten Jahrhundert ist eben überholt; es werden auch keine
    Dampfloks mehr verkauft.

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