Warum RWE im Müllgeschäft gescheitert ist
Eine Tochter wird entsorgt

Der Verdacht liegt nahe: RWE-Chef Harry Roels opferte die Umweltsparte, um Entschlossenheit zu demonstrieren. Die Renditen erfüllten nicht die Vorgaben.

ESSEN. Acht Millionen Euro kann RWE direkt abschreiben. Noch in den letzten zwei Jahren ließ der Energiekonzern den Fuhrpark seiner Tochter RWE Umwelt umlackieren. Rund 1 200 Müllautos und unzählige Behälter bekamen einen neuen Anstrich in Silber-Metallic, darauf die RWE-Hand nebst vier grünen und einem blauen Quadrat.

Alles umsonst. Inzwischen steht fest: Die Tochter, die sich um Entsorgung und Recycling von Müll kümmert, wird bald nicht mehr zum Konzern gehören. Die RWE AG stutzt ihre Multi-Utility-Welt auf die Sparten Strom, Gas und Wasser zurecht. „Wir haben erkannt, dass das Umweltgeschäft auf Grund seiner eher mittelständischen Prägung nicht unbedingt die Einbindung in einen internationalen Konzern braucht und ausreichende Verbindungen zu den RWE-Kerngeschäften Energie und Wasser fehlen“, erklärte die Konzernleitung der Belegschaft nüchtern in einem Brief. Noch wichtiger: Die Renditen erfüllten nicht die Vorgaben. 5,2 Prozent Rendite auf das eingesetzte Fremd- und Eigenkapital sind zu wenig. RWE-Chef Harry Roels verlangt zehn Prozent.

Damit ist der Versuch des Energiekonzerns, in der mittelständisch geprägten Entsorgungsbranche Fuß zu fassen, gescheitert. Wenn man nach dem Warum fragt, landet man schnell im Kölner Stadtteil Niehl. Groß, grau, mächtig und 400 Millionen Euro teuer macht sich die Müllverbrennungsanlage im Industriegebiet breit. Weil beim Bau des Projekts elf Millionen Euro Schmiergeld geflossen sind, weil Partner Helmut Trienekens heftig in den Skandal verwickelt ist, musste RWE vor zwei Jahren noch einmal viel Geld in die Entsorgungssparte investieren – zu einem Zeitpunkt, als im Vorstand schon offen über einen Ausstieg debattiert wurde. Um einen Imageschaden abzuwenden, übernahm der Konzern seine 50-Prozent-Beteiligung an Trienekens komplett und damit alle Altlasten.

„Finanziell hat uns dies das Genick gebrochen“, sagt Ralf Hiltenkamp, Betriebsrat der Umweltsparte und Mitglied im Aufsichtsrat des Mutterkonzerns, „vieles war den Kaufpreis nicht wert.“ Noch immer streitet RWE Umwelt mit der Familie Trienekens über den Wert des Unternehmens. Getrieben vom Skandal um die Müll-Mafia stieg RWE zum größten Unternehmen der Branche auf, mit zwei Milliarden Euro Umsatz und 12 600 Mitarbeitern. Ein Konzern, der alles entsorgt – außer Sprengstoff und Atom.

Der Vorstandschef der Umweltsparte, Bernard Kemper, stand vor einer enormen Integrationsaufgabe, zumal RWE Umwelt schon in den Jahren zuvor eine Firma nach der anderen zusammengekauft hatte. Im Portfolio sei „schon so manch skurrile Gesellschaft“ gewesen, sagt Kemper. Und so richtig habe der Umweltbereich eben nie zu den „noblen Stromern“ gepasst, meint Betriebsrat Hiltenkamp. „Hier kommen die Müllis“, hätten sogar Kollegen im Betriebsrat gerufen.

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