Webung
Marken spielen die Hauptrolle

In Internetserien lassen Hersteller immer häufiger ihre Produkte wirksam in Szene setzen. Denn anders als im Fernsehen ist das gezielte platzieren von Werbung im Netz völlig legal - und das ohne Einschränkungen. Ein enormes Potential für Marketing-Profis und Sponsoren.

KÖLN. Ihre Beziehung taugt nichts mehr, das wusste Soffy jetzt. Schlimm genug, dass ihr Freund Danny seine Mutter ungefragt übers Wochenende in ihrer gemeinsamen Wohnung einquartieren wollte. Dass Soffy ihr aber auch "irgendwie ähnlich" sehen soll, war zu viel. Fluchtartig räumte sie die Wohnung. Sie hatte ohnehin Sehnsucht nach ihrer schrillen Berliner Mädchenclique, die durch die Internet-Seifenblase "They call us Candy Girls" schnattert. Liebe und Freundschaft treibt die Serie an, die derzeit in der zweiten Staffel auf Myspace läuft. Jede Folge sammelt rund 60 000 Klicks, insgesamt sind es nun schon über zwei Millionen.

Das Besondere daran ist weniger, dass die Serie nur im Internet zu sehen ist. Vielmehr steckt in ihr enormes Werbepotenzial. Denn anders als in Fernsehserien wie "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" ist Product-Placement im Internet uneingeschränkt erlaubt. Das freut besonders die Sponsoren. Sie zahlen viel Geld dafür, dass Szenen wie diese gedreht werden: Bei ihrem Auszug aus der Wohnung packt Soffy ohne Mühe ihre Vielzahl an Koffern, Säcken und Kartons in ihren kleinen, weißen Ford Ka und braust davon. Wie in einem Werbespot filmt die Kamera die schnittige Fahrt und schwenkt über die Armatur des Autos - alles untermalt mit vollem Elektro-Pop.

"Wir wollen damit Begehrlichkeiten besonders bei jungen Frauen wecken", sagt Sibylle Becher, Leiterin der Marketingkommunikation von Ford Deutschland. "Wir haben gezielt nach einem passenden Format gesucht, mit dem wir neue Zielgruppen ansprechen können." Das Product-Placement ist für die Kölner ein bewährtes Mittel. Das Auto düste auch im letzten James-Bond-Film durch die Kulissen.

Andere Markenhersteller drängen nun ebenfalls in solche "Webisodes", deren Folgen meist zwischen fünf und zehn Minuten dauern. "Mittlerweile kommen immer mehr Unternehmen auf uns zu, die auch eine solche Serie haben wollen", sagt Marc Lammek von MME, dem Produzenten der "Candy Girls". Das Interesse ist so groß, dass er bereits über neue Formate wie Koch- oder Einrichtungssendungen nachdenkt, die sich ebenfalls für Product-Placement eignen. Selbst hinter Dokumentationen oder Reportagen im Internet könnten künftig Sponsoren stehen.

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