Weg für Kapitalerhöhung ist frei
Karstadt-Quelle-Sanierungsplan gerettet

Der in Gefahr geratene Sanierungsplan des angeschlagenen Karstadt-Quelle-Konzerns ist gerettet. In den seit Tagen laufenden Verhandlungen mit Aktionären habe eine Einigung erzielt werden können, sagte Konzernsprecher Jörg Howe am Donnerstagabend in Essen.

HB DÜSSELDORF/BERLIN. Der Weg für die dringend erforderliche Kapitalerhöhung von KarstadtQuelle ist nach Angaben des Unternehmens nun frei. „Wir können davon ausgehen, das es keine Rechtsstreitigkeiten mehr geben wird“, sagte Konzernsprecher Jörg Howe. Der Konzern gehe davon aus, dass die Kapitalerhöhung in Höhe von angepeilten 500 Millionen Euro wie geplant auf den Weg gebracht werde und damit die langfristige Kreditlinie des angeschlagenen Konzerns in Höhe von insgesamt 1,75 Milliarden Euro gesichert sei.

Der Vorstand habe sich im Zuge der Einigung verpflichtet, dass der Ausgabekurs neuer Aktien nicht unter 5,38 Euro liegen werde. Mit dieser Verpflichtung solle die Notwendigkeit weiterer Kapitalerhöhungen vermieden werden.

Nach der geplanten Kapitalerhöhung wollen Gläubigerbanken dennoch offenbar auf die Ablösung von mehreren Vorständen drängen. Der Würzburger Betriebswirtschaftsprofessor Eckehard Wenger verschärfte seine Kritik an der Karstadt-Quelle-Führung und den Banken. Das gesamte Karstadt-Drama bezeichnete Wenger als ein „bankenseitig inszeniertes Yukos". Middelhoff als „Vollstrecker der Banken liefert die Bedrohung der Opponenten gleich mit", sagte Wenger dem "Tagesspiegel". In einem Schreiben an Caterina Steeg, Vorstandsmitglied des Vereins zur Förderung der Aktionärsdemokratie (VfA) hatte sich Middelhoff ausdrücklich von einem Bericht distanziert, in dem ihm unterstellt wurde, mit Hilfe der Medien die Kleinaktionäre unter Druck setzen zu wollen. „Mir liegt das tatsächlich völlig fern", schrieb Middelhoff am 24. November.

Neben Middelhoff nahm sich Wenger am Donnerstag die Banken vor, die sich bei Karstadt-Quelle „alles unter den Nagel gerissen haben". Bislang hätten die Banken für die kurzfristigen, jederzeit kündbaren Kreditlinien 50 bis 100 Basispunkte auf den variablen Interbankensatz Euribor aufgeschlagen, künftig sei für die verlängerte Kreditlinie ein Aufschlag von bis zu 350 Basispunkten fällig. Derzeit liegt der Euribor für einen Kredit über zwölf Monate bei 2,324 Prozent. Nicht zuletzt auf Grund der höheren Kapitalkosten hatte Karstadt-Quelle-Vorstandschef Christoph Achenbach die Rückkehr in die Gewinnzone erst für 2006 in Aussicht gestellt. „Was hier stattfindet ist eine Ausplünderung durch die Banken", kommentierte Wenger das Geschehen. Der Würzburger Professor ist Mitgründer des VfA.

Wolfgang Gehrke, Professor für Bank- und Börsenwesen in Nürnberg, wollte sich indes nicht der Kritik Wengers anschließen. Der Zinsaufschlag sei angesichts des Risikos „durchaus marktüblich", allerdings auch „relativ hoch". Alles in allem „sitzen die Banken am längeren Hebel" und Karstadt-Quelle habe „keine Möglichkeit sich zu wehren", sagte Gehrke dem Tagesspiegel. Die Bayerische Landesbank als Konsortialführerin des Karstadt-Quelle-Bankenpools wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Thema äußern.

Die Gläubigerbanken des angeschlagenen Handelskonzerns Karstadt-Quelle werden Bankenkreisen zufolge nach der geplanten Kapitalerhöhung auf die Ablösung von mehreren Vorständen drängen. Wenn die für die Rettung des Unternehmens wichtige Kapitalmaßnahme abgeschlossen sei, werde die Gruppe der Gläubigerbanken die Entlassung der verantwortlichen Spitzenmanager fordern, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag aus Bankenkreisen. Auf Nachfrage wurde in den Kreisen angedeutet, die Rücktrittsforderung werde auch Konzernchef Christoph Achenbach einschließen. Ein Sprecher des Handelskonzerns sagte dazu: „Wir können Spekulationen und Gerüchte nicht kommentieren.“ Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Middelhoff habe Achenbach seine Unterstützung zugesagt. Middelhoff habe erklärt, dass er weiter fest zu Achenbach in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender stehe, sagte ein Unternehmenssprecher weiter.

Achenbach hatte erst im vergangenen Juni den Chefsessel in Essen von Wolfgang Urban übernommen, der auf Grund anhaltender Umsatzeinbrüche und Verluste den Hut nehmen musste. Seither hat er dem angeschlagenen Konzern eine Radikalkur verordnet, um das Überleben von Karstadt-Quelle zu sichern.

Zuvor hatte Achenbach das Versandgeschäft des Konzerns verantwortet. Der 1958 in Münster geborene Manager hatte 1989 bei Quelle im Unternehmensbereich „Strategische Planung“ begonnen. Im März 2001 wurde er zum Vorstandschef der Quelle AG ernennt. In den Konzernvorstand rückte er im Mai 2001 auf und war dort für den Versandhandel zuständig.

Den Bankenkreisen zufolge soll der Widerstand einiger Aktionäre gegen die Kapitalerhöhung durch die Zahlung von Abfindungen gebrochen werden. Konzernsprecher Jörg Howe sagte dazu: „Es geht definitiv nicht um Geld.“

Sechs Aktionäre hatten bei der außerordentlichen Hauptversammlung am Montag Widerspruch gegen die geplante Kapitalerhöhung eingelegt. Da sie ihre Widersprüche zurückgezogen haben, kann der Verkaufsprospekt für die neuen Aktien nun termingerecht veröffentlicht werden. Ansonsten wäre die gesamte Finanzierung des Sanierungskonzepts gefährdet gewesen, womit eine Insolvenz nicht ausgeschlossen hätte werden können.

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