Wegen hoher Schulden: Deutsche Bahn streicht Firmenkäufe

Wegen hoher Schulden
Deutsche Bahn streicht Firmenkäufe

„Strategie 2020“ auf Eis: Die Bahn rechnet bis 2020 lediglich mit einem Umsatz von 50 Milliarden Euro. Allein die Streiks 2014 haben rund 166 Millionen Euro gekostet. Die Preise sollen dennoch nicht erhöht werden.
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BerlinDie Deutsche Bahn rückt von ihrer „Strategie 2020“ mit milliardenschweren Unternehmenskäufen ab. „Da hat uns die Realität eingeholt“, sagte Vorstandschef Rüdiger Grube der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Donnerstagausgabe) Wegen des schwächer als erwarteten Wirtschaftswachstums und weltweiter Krisen fehle der Spielraum für Zukäufe.

Statt 70 Milliarden Euro Umsatz spreche man nun von über 50 Milliarden Euro bis 2020. Der Konzern hatte nach der "Strategie 2020" rund 14 Milliarden Euro neuen Umsatz über Firmenkäufe ins Unternehmen holen wollen. Allerdings liegt die Verschuldung des Staatskonzerns weiter bei über 16 Milliarden Euro. Seit Amtsantritt von Grube 2009 ist dieser Betrag trotz Ankündigung kaum reduziert worden. „Oberstes Gebot ist für uns, ein berechenbarer Partner am Kapitalmarkt zu sein“, sagte Grube nun.

2014 hat das Unternehmen wegen Streiks, Stürmen und der Konkurrenz durch Fernbusse seine Ziele wie schon mitgeteilt ebenfalls verfehlt. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) wird um die zwei Milliarden Euro liegen, der Umsatz knapp unter 40 Milliarden Euro. Grube sagte, allein die Streiks der Lokführergewerkschaft GDL hätten 166 Millionen Euro gekostet. Jeder Streiktag schlage mit rund zehn Millionen Euro zu Buche, die Ankündigung mit der Hälfte, da dann Kunden schon auf die Buchung verzichteten.

Das Sturmtief Ela wurde mit 60 Millionen Euro und die Einbußen durch die Fernbus-Konkurrenz mit 120 Millionen Euro beziffert. Grube ließ offen, ob wegen des Wettbewerbs bei Fernreisen auch dieses Jahr wieder die früher üblichen Preiserhöhungen für IC und ICE entfallen würden. „Es ist nicht unser Ziel, jedes Jahre die Preise zu erhöhen“, sagte er jedoch.

In der seit Monaten laufenden Tarifauseinandersetzung mit der GDL blieb Grube trotz der jüngst abgesagten Streiks vorsichtig. „Von einem Durchbruch würde ich noch nicht sprechen“, sagte er. Immerhin werde jetzt über Inhalte verhandelt. Am Donnerstag trafen sich GDL und Bahn zu neuen Gesprächen.

Die Tarifgespräche sind schwierig, da die GDL und die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) teils für dieselben Beschäftigtengruppen Abschlüsse erzielen wollen. Ziel der Bahn ist es aber, für GDL- und EVG-Mitglieder vergleichbare Verträge zu erreichen. „Die Tarifverträge müssen nicht wortgleich sein, aber widerspruchsfrei“, sagte Grube.

Er strebe eine Lösung noch vor dem geplanten Tarifeinheitsgesetz der Regierung an. Mit diesem Gesetz soll der Einfluss kleinerer Spartengewerkschaften begrenzt werden. Grube begrüßte das Vorhaben. Was in den vergangenen Monaten passiert sei, habe Konzern, Kunden und Mitarbeiter strapaziert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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