Wehmeyer verkauft
Karstadt-Quelle setzt Verkaufsprogramm fort

Der angeschlagene Karstadt-Quelle- Konzern setzt sein Milliarden schweres Verkaufsprogramm mit Hochdruck fort und hat am Freitag die Trennung von der Aachener Textilkette Wehmeyer perfekt gemacht.

HB FRANKFURT/FÜRTH/ESSEN. Neue Eigentümer seien ab dem 1. August der Finanzinvestor SB Capital und die im Textil-Geschäft tätige Miro Radici AG (Bergkamen bei Dortmund), berichtete Karstadt-Quelle in Essen. Zum Verkaufspreis wurden keine Angaben gemacht.

Karstadt-Quelle-Chef Thomas Middelhoff hatte am Donnerstag neben dem Verkauf von Wehmeyer ebenfalls die bevorstehende Trennung von den Fitness-Studios angekündigt. Bis Ende September will der Essener Konzern daneben seine 75 kleinen Warenhäuser sowie das Modehaus Sinn-Leffers und die Sportkette Runners-Point verkaufen. Zusammen mit weiteren in dieser Woche angekündigten Verkäufen soll das laufende Programm nach den Planungen insgesamt 2,4 Milliarden Euro in die Kassen des Konzerns spülen.

Das Mode-Unternehmen Wehmeyer erwirtschaftete 2004 mit rund 900 Mitarbeitern einen Umsatz von 168 Millionen Euro. Das Unternehmen betreibt rund 60 Filialen mit Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen sowie in Rheinland-Pfalz und Hessen. Die zu der Investoren-Gruppe zählende Radici AG hatte zuvor bereits Produktionsstätten des Bochumer Textilunternehmens Steilmann und die in Zahlungsschwierigkeiten geratene Ruhrgebiets-Textilkette Boecker übernommen.

Am Quelle-Sitz in Fürth berieten am Freitag die Unternehmensleitungen und Betriebsräte über Konsequenzen aus der am Vortag von der Konzernspitze angekündigten Umwandlung der Quelle AG und der Neckermann AG in Gesellschaften mit beschränkten Haftung.

Dadurch soll die Anbindung des als chronischen Verlustbringer geltenden Versandhandels an den Mutterkonzern enger werden. Zudem muss über zusätzliche Kosteneinsparungen im Versand verhandelt werden. Einzelheiten zu den Beratungen wurden zunächst nicht genannt.

Derzeit hat der Universalversand rund 12 000 Beschäftigte.

In die Neuordnung der verlustreichen Karstadt-Quelle-Versandtöchter Quelle und Neckermann hat sich auch die Bundesregierung eingeschaltet. „Wir sind mit dem Unternehmen in ständigen Kontakt und verfolgen die Sanierungsbemühungen sehr genau“, sagte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement am Freitag in Berlin. Dazu erklärte Karstadt-Quelle-Sprecher Jörg Howe, „wir sind ein gesundes Unternehmen und brauchen keine Unterstützung aus dem Wirtschaftsministerium. Wir haben auch nicht beim Wirtschaftsministerium oder bei anderen Politikern um Unterstützung gebeten und werden das auch in Zukunft nicht tun.“

Karstadt-Quelle-Konzernchef Thomas Middelhoff hatte am Donnerstag eingeräumt, dass die Probleme im Versandhandel größer sind als zuvor angenommen und kräftige Sparanstrengungen eingefordert. Dazu soll auch der Abbau von Stellen beitragen, dessen Umfang noch nicht genannt wird.

Nach Darstellung des Bundesverbandes des Deutschen Versandhandels (BVH) sind die Probleme von Karstadt-Quelle mit seinem Versandhandel symptomatisch für einen Großteil der Branche. „Für den Versandhandel ist es angesichts der angespannten konjunkturellen Lage insgesamt schwierig“, sagte die Sprecherin des bhv, Dorothee Hoffmann, am Freitag der dpa in Frankfurt. Vor allem Universalanbieter, zu denen auch Quelle und Neckermann gehören, hätten Absatzprobleme. „Dagegen ist der Spezialversand im Aufwind: Wenn es um Freizeit, Hobby oder Luxus geht, geben die Leute eher noch Geld aus“, sagte Hoffmann.

Der Umsatz des Versandhandels ist nach Verbandsangaben im vergangenen Jahr um 3,4 Prozent auf 20,3 Milliarden Euro gesunken.

Die Universalanbieter seien an dieser Entwicklung überproportional beteiligt gewesen, sagte BVH-Sprecherin Hoffmann. Wachstumspotenzial sieht der bvh auch im Warenverkauf über das Internet. Die Umsätze im so genannten E-Commerce kletterten den Angaben zufolge von einer Milliarde Euro im Jahr 2000 auf 4,9 Milliarden Euro 2004. Der BVH hat 207 Mitglieder und vertritt nach eigenen Angaben 90 Prozent des gesamten Umsatzes der deutschen Versandhandelsbranche.

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