Weihnachtsgeschäft: Britischer Einzelhandel entzückt die Anleger

Weihnachtsgeschäft
Britischer Einzelhandel entzückt die Anleger

Mit einem Endspurt haben die britischen Verbraucher ein Desaster abgewendet. Die Umsatzrückgänge im Weihnachtsgeschäft sind deutlich geringer ausgefallen als erwartet. Die Börse atmet auf. Einige Aktien steigen sogar zweistellig. Dabei sind die Aussichten für das kommende Jahr weiterhin rabenschwarz.

LONDON. Umsatzrückgänge von bis zu sieben Prozent im Weihnachtsgeschäft wären in normalen Jahren eine Hiobsbotschaft. Doch im Krisenwinter 2008/09 nahm die Londoner Börse entsprechende Zwischenberichte zweier führender Einzelhändler geradezu euphorisch auf. Mit Kurssprüngen von bis zu einem Drittel feierte sie die ersten Berichte börsennotierter Händler über die Umsätze in den wichtigsten Wochen des Jahres. Dabei ist der Ausblick unverändert düster.

Die stärksten Kursgewinne mit vorübergehend plus 32 Prozent fuhr die zweitgrößte britische Kaufhauskette Debenhams ein. Sie hatte schon lange vor Weihnachten auf Sonderangebote gesetzt, um die rezessionsgeplagten Kunden in ihre 150 Läden in Großbritannien und Irland zu locken. Der Lohn war ein vergleichsweise moderater Rückgang des Umsatzes von 3,5 Prozent auf vergleichbarer Fläche in den 18 Wochen zum 3. Januar. Erfreut zeigten sich Analysten darüber, dass Debenhams steigende Vorsteuergewinne und einen Abbau der Nettoverschuldung berichtete, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Das Unternehmen ist 2006 aus der Hand von Finanzinvestoren hoch verschuldet an die Börse zurückgekehrt und hat seither mehr als 80 Prozent an Wert verloren.

Next, der zweitgrößte Textilhändler des Landes nach Marks & Spencer, berichtete mit sieben Prozent einen doppelt so starken Umsatzrückgang, hier bezogen auf die 21 Wochen zum 24. Dezember. Trotzdem stieg die Aktie des Unternehmens zeitweise um 16 Prozent. Im Gegensatz zu Debenhams und auch Marks & Spencer hat Next in seinen 460 Filialen in Großbritannien und Irland konsequent auf vorweihnachtliche Sonderangebote verzichtet. Der Gewinn werde im Rahmen der Analystenschätzungen und damit etwas unter dem des Vorjahres liegen.

Am Montag hatte bereits die größte britische Kaufhauskette John Lewis einen Weihnachts-Umsatz auf Vorjahreshöhe berichtet. Die Boutiquenkette New Look, die den Finanzinvestoren Permira und Apax Partners gehört, konnte ihren Umsatz in den 14 Wochen zum 3. Januar sogar um 2,8 Prozent steigern.

Gemessen an der Nervosität in der Vorweihnachtszeit seien die Zahlen eine Erleichterung, sagte Nicole Quinn, Analystin von Morgan Stanley. Ein Endspurt im Weihnachtsgeschäft, der sich überwiegend nach den Feiertagen abspielte, scheint also ein Desaster im britischen Handel abgewendet zu haben. Von diesem Lichtblick profitierten gestern auch die Aktien der Elektronikhändler DSG und Kesa Electric, die zuletzt besonders stark gesunken waren. Auch die Aktie von Marks & Spencer stieg deutlich, obwohl Analysten mit schwachen Zahlen am heutigen Mittwoch rechnen. Die „Times“ schrieb, dass der Handelskonzern 1 000 Stellen streichen werde. Eine Firmensprecherin wollte sich dazu nicht äußern.

In einem sind sich die Handelskonzerne einig: Die Aussichten für 2009 sind rabenschwarz. Steigende Arbeitslosenzahlen und sinkende Häuserpreise drohen die kommenden Monate zu verhageln. „Eines bestimmt das Käuferverhalten mehr als alles andere: Habe ich einen Job?“ warnte Debenhams-Chef Rob Templeman. Ökonomen befürchten, dass die Arbeitslosenzahl im Laufe des Jahres von knapp zwei auf drei Millionen steigen werde. Andererseits, so hofft Templeman, werden aber sinkende Energie- und Lebensmittelpreise, Steuer- und Zinssenkungen die Budgets der Kunden entlasten.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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