Weihnachtsgeschäft
„Edeka statt Ibiza“

Das Weihnachtsgeschäft läuft bislang richtig gut an – sagen jedenfalls die betroffene Branche und Marktforscher. Dass der befürchtete Einbruch im Einzelhandel ausbleibt, liegt unter anderem daran, dass Verbraucher derzeit deutlich weniger Geld für Restaurantbesuche und Reisen ausgeben.
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DÜSSELDORF. Deutschlands Einzelhandel startet überraschend stark ins diesjährige Weihnachtsgeschäft. „Die Weihnachtsumsätze werden mindestens den Vorjahreswert erreichen“, ist sich Wolfgang Twardawa von der Marktforschungsfirma GfK sicher, „möglicherweise sogar übertreffen“. Auch vom Handelsverband HDE, der noch vor wenigen Wochen ein deutlich rückläufiges Geschäft zum Jahresende prognostizierte, heißt es jetzt: „Sorgen um ein passables Weihnachtsgeschäft muss sich der Einzelhandel nicht machen.“

Damit bildet der private Konsum in Deutschland auch im vierten Quartal eine wesentliche Stütze der Konjunktur. Während angesichts der drastischen Einbrüche in Deutschlands Export- und Investitionsgüterindustrie das Bruttoinlandsprodukt 2009 voraussichtlich um fünf Prozent schrumpft, landete in den Kassen des Einzelhandels zwischen Januar und September gerade einmal 1,9 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Durch die Einkäufe zum Fest könnte sich nun das Jahresminus noch verringern, hofft der HDE.

Nach Befragungen der Wirtschaftsprüfung Ernst & Young könnte es beim Shopping von Weihnachtsgeschenken in Deutschland 2009 sogar ein leichtes Plus geben. Nach einer angekündigten Kürzung des Geschenkebudgets von zehn Prozent im kommenden Jahr planen die Deutschen derzeit wieder mit einem Plus von zwei Prozent.

Vor allem Männer hätten ihre Ausgabebereitschaft wieder erhöht. Treffen die Vorhersagen ein, wird jeder deutsche Verbraucher im Schnitt 226 Euro für Festtagsgeschenke ausgeben.

Dass der noch vor Monaten befürchtete Einbruch im Einzelhandel ausbleibt, hat nach Meinung von Experten unterschiedliche Ursachen. „Die Mehrheit der Deutschen spürt die Krise bislang nicht konkret in Euro und Cent und ist sich ihrer Arbeitsplätze vorerst relativ sicher“, meint Deloitte-Handelsexperte Peter Thormann. Die geplante Verlängerung der Kurzarbeiterregelung für das kommende Jahr dürfte die Ausgabebereitschaft zusätzlich stärken.

Deutschlands Einzelhandel kommt zusätzlich zugute, dass die Verbraucher deutlich weniger Geld für Restaurantbesuche und Reisen ausgeben. So ermittelte die GfK in ihrem regelmäßig erscheinenden „Travel Scope“, dass die bisherigen Buchungen für die Winterreisesaison drastisch eingebrochen sind. Das Geld steckten die Deutschen stattdessen in die Hauseinrichtung. Anstelle teurer Restaurantbesuche bewirte man seine Gäste in der aktuellen Krise zunehmend daheim, beobachten die GfK-Experten außerdem.

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