Weihnachtsgeschäft
Einzelhandel zwischen Kaufrausch und Kater

Deutschlands Verbraucher trotzen der Rezession. Der deutsche Einzelhandel hat sich in den vergangenen Monaten auffallend stabil entwickelt, und auch das Weihnachtsgeschäft dürfte deutlich besser laufen als prognostiziert. Marktforscher zeigen sich überrascht und warnen vor dem „Konsum-Kater“.

DÜSSELDORF. Vorm Kölner Kaufhof-Parkhaus reihen sich auf einer Länge von 150 Metern Autos Stoßstange an Stoßstange. Kein Durchkommen mehr, heißt es für die Shopper in der angrenzenden Einkaufsmeile Schildergasse. Wem das Getümmel an diesem trüben Dezember-Werktag noch nicht reicht, fährt in die Nachbarstadt Bonn. Dort tragen die Kassiererinnen nicht nur im Sportarena-Kaufhaus hektische Flecken im Gesicht, weil ihnen der Kundenandrang längst über den Kopf wächst. Diesmal gebe es ein glänzendes Weihnachtsgeschäft, schwärmt auch die Verkäuferin bei Louis Vuitton an Düsseldorfs Prachtmeile Königsallee.

Finanzkrise? Wirtschaftskrise? Rezession? Zumindest in Deutschlands Geschäften scheint dies alles noch nicht angekommen zu sein. „Das Weihnachtsgeschäft wird besser ausfallen als im letzten Jahr“, verspricht Wolfgang Twardawa, Konsumexperte beim Marktforschungsunternehmen GfK. „Die Verbraucher sehen die aufziehende Krise noch sehr gelassen.“

Auch gestern berichteten die Einzelhandelsverbände Sachsen-Anhalt und Thüringen von Weihnachtsumsätzen über Vorjahr. Von der Finanzkrise sei kaum etwas zu spüren, hieß es auch in anderen Bundesländern. Allein der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels zeigt sich unzufrieden.

Dabei lag nicht nur der September – der Monat, in dem die Finanzkrise voll durchschlug – beim nominalen Branchenumsatz 4,1 Prozent über dem vergleichbaren Vorjahresmonat, auch im Oktober floss den Einzelhändlern 0,9 Prozent mehr in die Kassen als im Jahr zuvor. Zu den Gewinnern zählten – mit Ausnahme der Warenhäuser – Händler, die Bücher, Schmuck, Textilien oder Schuhe über den Ladentisch reichten.

Auch der Kreditversicherer Euler Hermes hat errechnet, dass sich der deutsche Einzelhandel trotz Finanzkrise auffallend stabil entwickelt. „Wir stellen zu unserer Überraschung fest“, berichtet Risikomanager Ulrich Nöthel, „dass das Weihnachtsgeschäft bei fast allen Einzelhändlern deutlich besser läuft, als es die Auguren noch vor kurzem befürchtet haben."

Für die Monate November und Dezember liegen dem Statistischen Bundesamt zwar noch keine Meldungen vor, doch die Lage dürfte sich kaum verschlechtert haben. Die erste Dezemberhälfte lag für den Modehandel auf Vorjahresniveau, ermittelte die Fachzeitschrift „Textilwirtschaft“. Der November hatte sogar deutliche Zuwächse gebracht.

Doch Marktforscher wie Wolfgang Twardawa von der GfK warnen: „Noch verdrängen viele Verbraucher das Jahr 2009.“ Schon nach dem Kaufrausch zu Weihnachten drohe im Januar der „Konsum-Kater“.

Tatsächlich ist die Lage unübersichtlich. Viele Händler beobachten beispielsweise, dass zwar die Geschäfte in den großen Innenstädten brummen. In den meisten kleinen und mittelgroßen Städten wie Mönchengladbach oder Marl bleibt der Andrang dagegen verhalten. „Offenbar locken in den Citys die attraktiven Weihnachtsmärkte“, sagt ein Händler.

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