Weil die Supermarktkette Albert Heijn die beliebte Peijnenburg-Leckerei zu billig anbietet, liefert der Bäcker nicht mehr: In den Niederlanden tobt der Kuchenkrieg

Weil die Supermarktkette Albert Heijn die beliebte Peijnenburg-Leckerei zu billig anbietet, liefert der Bäcker nicht mehr
In den Niederlanden tobt der Kuchenkrieg

Frühstückskuchen – am besten fingerdick mit Butter bestrichen – gehören zu den wenigen kulinarischen Errungenschaften der niederländischen Küche. Ausgerechnet um dieses in Scheiben geschnittene Stück nationaler Identität ist im Polderland ein regelrechter Krieg entbrannt.

AMSTERDAM. Er ist braun, rechteckig und duftet fein nach Kandis und Gewürzen. Aber nach Ansicht des Kuchenbäckers Peijnenburg bietet die Supermarktkette Albert Heijn die Honigkuchen viel zu billig an. Die 600-Gramm-Packung kostete zuletzt nur noch 96 Cent – zehn Cent weniger, als der Einzelhändler dafür im Einkauf bezahlt. „Die Preispolitik von Albert Heijn gefährdet die Zukunft des Frühstückskuchens, da machen wir nicht mit“, sagt Peijnenburg-Direktor Johan Lokhorst.

Albert Heijn sieht das ganz anders – der Einzelhändler will sich von seinen Lieferanten nicht in die Preispolitik hereinreden lassen. „Das ist für uns eine prinzipielle Frage“, sagte ein Pressesprecher. „Wir als Händler müssen die Preise für unsere Produkte selbst bestimmen dürfen.“ Der Streit ist inzwischen eskaliert: Peijnenburg beliefert die Ahold-Tochter nicht mehr. Ein Gericht in Den Bosch gab dem Kuchenbäcker Recht und hat vergangene Woche eine Klage der Supermarktkette gegen den Lieferstopp abgewiesen.

Der Zwist um den Honigkuchen ist ein Beispiel für den schärferen Wettbewerb im niederländischen Einzelhandel, der seit etwa eineinhalb Jahren auf die Preise drückt. Spätestens seit die deutschen Discounterketten Aldi und Lidl das Nachbarland für sich entdeckt haben, ist eine Preisschlacht ausgebrochen. Zahlreiche Unternehmen bieten inzwischen eigene Rabattsysteme für treue Kunden an. Und die meisten Niederländer – die an sich gern über die eigene, der protestantisch-calvinistischen Tradition entsprungene Sparsamkeit spötteln – sind von der „Bückware“ in den unteren Regalen der Supermärkte und Discountern begeistert.

Weil die Einzelhändler sich den Wünschen der Käufer angepasst haben, können sich auch die rund 700 Albert-Heijn-Märkte der Rabattschlacht nicht mehr entziehen. Die Regale sind gespickt mit neonfarbigen Hinweisen auf „Dauerniedrigpreise“. Die Kette versucht so, ihr Image als eher teurer Anbieter hin zum Preisbrecher zu wandeln.

Der Frühstückskuchen von Peijnenburg spielt dabei eine Schlüsselrolle. Das bei vielen Niederländern beliebte Produkt ist im fiktiven Einkaufskorb des Verbraucherverbandes enthalten. Die Verbraucherschützer vergleichen, wie teuer der Einkauf bei den verschiedenen Anbietern ist, und veröffentlichen regelmäßig eine Rangliste der preiswertesten Supermärkte. Dumpingpreise bringen gute Listenplätze.

Peijnenburg – seit 1983 „Hoflieferant“ und nach eigenen Angaben niederländischer Marktführer bei Frühstückskuchen und anderen abgepackten Backspezialitäten – befürchtet, dass andere Supermarktketten dem Preiswettbewerb nicht standhalten können. Das führe dazu, dass sie die so billigen Honigkuchen aus dem Sortiment nehmen und den Platz im Regal lieber mit Produkten füllen, die Gewinn bringen. Bereits im vergangenen Jahr habe die Rabattschlacht der Supermärkte zu einem Umsatzrückgang von acht Prozent geführt, heißt es bei Peijnenburg.

Das Urteil des Gerichts in Den Bosch gibt dem in dieser Beziehung eindeutig Recht: Albert Heijn dürfe danach streben, billiger zu sein als die Konkurrenz – aber Peijnenburg dürfe dabei nicht unter die Räder kommen.

Unterstützung erhielt Peijnenburg auch vom britisch-niederländischen Nahrungsmittel- und Konsumgüterkonzern Unilever. Harry Brouwer, Chef der niederländischen Nahrungsmittelsparte, sagte der Tageszeitung „NRC Handelsblad“, Unilever werde den Preiskrieg der heimischen Einzelhändler nicht weiter unterstützten.

Peijnenburg will möglichst bald Verhandlungen mit Albert Heijn aufnehmen. „Wir hoffen, dass wieder ein Markt entsteht, in dem jeder etwas verdienen kann“, sagte Firmenchef Lokhorst. Doch Albert Heijn bleibt hart: Die Kette kündigte weitere gerichtliche Schritte gegen den Lieferstopp von Peijnenburg an.

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