Weinbau
Poker um den perfekten Wein

Die Weinlese beginnt für die Winzer außergewöhnlich früh. Der Poker um den perfekten Zeitpunkt für die Ernte wird damit bereits im Spätsommer eingeläutet. Was das für den Jahrgang und Weinfreunde bedeutet.
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DüsseldorfDer Herbst ist für viele Weintrinker die schönste Jahreszeit. Dann ist Zeit der Lese und es gibt neuen Wein, den sogenannten Federweißer. Dieser könnte es in diesem Jahr noch auf das ein oder andere Sommerfest schaffen. Denn die Winzer beginnen außergewöhnlich früh mit der Weinlese. Am vergangenen Freitag wurden bereits die ersten Trauben in Rheinhessen geerntet.

Die frühreife Rebsorte Solaris markiert damit den Beginn der Traubenerntezeit. Normalerweise ist der Start der Traubenernte deutlich später, im vergangenen Jahr war es Ende August. In den nächsten Wochen werden auch andere Weingüter mit der Lese früher Sorten starten, die Hauptsaison beginnt voraussichtlich Anfang September. Das ist drei Wochen früher als sonst. Rund 20.000 Weingüter gibt es in Deutschlands 13 Anbaugebieten, die dann ihre Trauben ernten. In der Regel dauert die Haupt-Lesezeit bis Mitte Oktober.

Grund für die außergewöhnlich frühe Lese in diesem Jahr: Der milde Winter und ein warmes Frühjahr haben die Reben schon Mai aufblühen lassen. Danach brauchen Trauben etwa 90 bis 100 Tage bis sie reif genug sind. Die Winzer sind optimistisch, dass die Ernte gut ausfällt. "Im Moment sind wir hochzufrieden, was die Situation in den deutschen Weinbergen betrifft", sagt Monika Reule, Geschäftsführerin vom Deutschen Weininstitut. Es hat im Sommer genug geregnet und in allen deutschen Anbaugebieten sind die Trauben derzeit in gesundem Zustand. Es zeichnet sich ab, dass 2014 ein ertragreiches Jahr wird.

Für die Winzer ist das in diesem Jahr ein besonders wichtiger Faktor. Die letzten drei Jahre waren unterdurchschnittlich in der Lesemenge: Nach einem historischen Tiefstwert im Jahr 2010 brachten auch die Jahre danach keine vollen Fässer: Im vergangenen Jahr lagen die Erntemengen teilweise bis zu 20 Prozent unterhalb des langjährigen Durchschnitts. Dies sorgte in vielen Betrieben für Lieferprobleme, die sie auch nicht mit Preissteigerungen auffangen konnten. Vor diesem Hintergrund ist es in diesem Jahr besonders wichtig, dass neben der Qualität auch die Quantität stimmt.

Wirklich entscheidend sind allerdings die Tage vor der Hauptlese im September. Das Verhältnis von Zucker, Säure und Wasser ändert sich dann täglich und entscheidet über die Weinqualität. Gerade, wenn die Trauben reif sind, beginnt für die Weingüter ein alljährliches Pokerspiel: Je länger sie warten, desto höher die Fruchtzuckerwerte und umso hochwertiger das Lesegut. Gleichzeitig steigt das Risiko, dass die Trauben faulen oder Krankheiten bekommen. Außerdem besteht noch ein anderes Risiko: Ein Hagelschauer und ein Teil der Ernte kann zerstört sein oder ist durch Schäden besonders fäulnisgefährdet.

Valide Aussagen über den Jahrgang 2014 gibt es also erst, wenn die Trauben in den Keltern sind. "Für die Winzer wären jetzt warme Tage und kühle Nächte ideal", resümiert Reule. Während für Weinromantiker nun eine schöne Zeit beginnt, steigt also die Anspannung der Winzer. Doch ein Glas Federweißer beruhigt, und den gibt es schon in den nächsten Wochen.  

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